a tribute to bad weibs

Samstag Nachmittage sind gut.
Samstag Nachmittage mit den besten Freundinnen zu verbringen ist gut³.
Den heutigen hab ich mit M. und J. verbracht, zwei spannende Frauen mit illustren Geschichten im Repertoire von ‚tiefgründig‘ bis ‚banal auf hohem Niveau‘. Man kann mit ihnen lachen (um nicht zu sagen ‚kudern bis zum Abwinken‘), man kann mit ihnen aber auch in aller Ruhe traurig sein.
Zweiteres kommt jedoch selten vor.
Eines jedenfalls hab ich mit ihnen noch nie erlebt – Langeweile.

M. kenne ich nun schon seit unsere Söhne 1 Jahr alt waren. Nächstes Jahr sind sie großjährig. Wir haben also einige Alleinerzieherinnen-Jahre hinter uns, in denen wir verdammt viele Gelegenheiten hatten zusammenzuwachsen. Ich erinnere mich an Elternabende in der alternativen Kindergruppe, an denen wir es stets am nötigen Ernst fehlen ließen und lieber der sexual incorrectness fröhnten – sehr zum Missfallen mancher braver Väter und Mütter, die das Thema Erziehung aus irgendeinem Grund immer bierernst behandeln mussten. Nein, wir waren wohl oft wirklich kein gutes Vorbild…

Doch mit M. war es möglich spontan zu sein und sich nach Herzen zu amüsieren.
Z.B. als wir an jenem ‚letzten‘ Sommertag 97, an dem wir mit den Kindern jede freie Minute in den Donauauen verbrachten, vernahmen, dass der Sommer nun vorbei sei. Wir waren uns in der kollektiven Uneinsichtigkeit völlig einig und beschlossen kurzerhand noch in der selben Nacht mit meinem schrottigen Peugot den Sommer hinterherzufahren. Sommerende? Nicht mit uns!


Der Wagen war … etwas auffällig. Nicht nur klapprig, er war auch von den Kindern erst unlängst davor bunt besprüht worden. Die Autotür war bezeichnenderweise mit einer Schnecke verziert, auf der Motorhaube hat M. ein „Love Rider“ Graffity verewigt. Und es machte Spaß mit dem Wagen unterwegs zu sein.
Also nichts wie los!

Kurz vor Venedig wachten die Zwergerl auf und erkannten, dass unser kleiner Ausflug offenbar doch etwas weiter führte. Aufgeregt berieten sie auf den Rücksitzen, wohin sie das Abenteuer führen wird und hatten ihren Spaß daran mit den 1L-Kanister Wasserpistolen aus dem Fenster zu spritzen. Hab ich schon erwähnt, dass wir auch nicht unbedingt die politisch korrektesten Mütter waren? Shame on us!
Auf der Fähre von Venedig nach Patras machten wir uns ein kleines Nest an Deck, Komfort war uns allen Vieren zu jener Zeit ja noch herzlich egal, wir genossen einfach unser kleines Abenteuer.

Auf Zakynthos saßen wir erstmal an der Küste, erfüllt vom Augenblick des ‚Ankommens‘ sahen wir in die Ferne. Es war einer dieser Momente, die sich ins Gedächtnis einbrennen, die einem bleiben, die man in bestimmten Momenten hervorholt und sich an ihnen stärkt …


Ja, und mehr wollten wir auch garnicht mehr. Nach 2 Tagen Sommerendeverlängerung im Paradies zwischen Caretta-Caretta Schildkröten und Souvlakis machten wir uns daher auf den Heimweg. Doch in Patras schien unsere Spontanität endlich die zu erwartende „Das kann man so nicht machen“ Lektion einzuholen.

Der Schranken war geschlossen, die Fähre war ausgebucht und abfahrbereit und Patras herzlich wenig einladend. Ich war in Gedanken schon dabei, mich nach einer billigen Unterkunft umzusehen, doch da hab ich die Rechnung ohne M. gemacht. M., die mit ihrer Familie vor Pinochet geflohen und im Flüchtlingslager aufgewachsen ist, erteilte mir nun ihrerseits eine Lektion, die ich nicht vergessen werde. Ich wollte soeben den Rückwärtsgang einlegen, da sah sie mich entgeistert an und fragte…
Was tust Du?„.
Äh, umkehren?
Umkehren? Aber ganz sicher nicht! Los fahr!
M., da ist eine SCHRANKE!
Sag bloß!? Und? Los, fahr, vertrau mir!
Hab ich schon gesagt, dass M.’s größte Stärke eine schier unbezwingliche Überzeugungskraft ist? Sie versetzt mich immer wieder in Verwunderung, bringt mich dazu Dinge zu tun, die mein durchschnittshöriges mitteleuropäisches Gemüt nie erlauben würden – und hatte noch jedes Mal Recht behalten.
Ich fuhr also über die Barrikaden direkt zur Verladestelle. Dort sprang M. aus dem Auto und dann … sah ich diese kleine quirrlige Person nur noch wild gestikulierend auf den Einweiser einreden. Gott weiß, WAS sie ihm alles erzählt haben mag… Kurzum: Wir hatten unseren Platz auf der Fähre gesichert!

Ja, genau das ist M. Ihr verdanke ich das Vertrauen darauf, dass alles geht, wenn man nur will. Und noch vieles mehr.

Gottchen … jetzt wollte ich doch bloß nur kurz sagen, wie dankbar ich meinen Freundinnen bin, dass es sie gibt. Kurz? Glatte Themaverfehlung! Soll ich noch von J. erzählen? ;-p

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10 Responses to “a tribute to bad weibs”

  1. @Telemach & Rich: wird gemacht, sobald die Muse wiederkehrt ^^

    @WWW: jetzt weiß ich auch, woher diese seltsamen Tappser und Schlieren am Bildschirm in letzter Zeit komen. Tz tz tz … Contenance, Mademoiselle, Contenance!

  2. Wunderbar! Ich klebe am Bildschirm und bin sprachlos und ein wenig neidisch 😉

  3. uhuuung… joulu, man sieht, welcher deiner von den beiden jungen Herren ist! Klasse!

  4. Rich will aber auch von J. und „Frauen am Rande von was oder wem auch immer“ hören!!

    Rich, Frau Weihnachtsfrau, fliegt übrigens am 2.11. ein, muss am 3.11. um 9:30 Uhr ihren Vortrag überleben und kann dann bis zum 6.11. entspannter in Wien sein ;-))

  5. Bitte bitte weitererzählen. Wir kuscheln uns dann ins Eckchen, dämpfen das Licht und du entführst uns in die Welt der starken und spontanen Frauen. Juhu!

  6. Rich ist zwar buchstäblich, aber ich danke Euch 3en trotzdem für den Zuspruch! ^^
    Wird beizeiten nachgeholt…

  7. Rich – damit ist der öffentliche und moralische Druck auf Jou so unglaublich groß… Sie kann nicht anders, und wir dürfen uns spätestens morgen über „Frauen am Rande der Illegalität, Teil 2“ freuen.
    Nice weekend nach Berlin

  8. Unbedingt will ich jetzt auch etwas über J. hören. Aber hallo!

  9. Jaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa,bitte

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