Ein moralischer Bumerang

Joulus liebster Zwergenmann ist zu seinem 18. Geburtstags wieder heimgekehrt. Gibts einen schöneren Anlaß zum Feiern? Und es wurde eine herrliche Feier mit Gästen aus drei Generationen, die sich wieder Erwarten prächtig miteinander amüsierten, viel Gelächter und auch einigen Tränen der Rührung, mit 2 Dutzend „happy birthday“ Ständchen (weil das erste schon so herrlich laut, falsch und durcheinander war) und einer „Internationalen“, weil meine Freundin M., die alte Kommunistentochter von der ich schon berichtet habe, meinte es ginge doch nicht an, dass der Bua 18 wird und nicht mit einem anständigen „Völker hört die Signale“ ins Leben verabschiedet wird. Mein Papa, der Herzblut-Sozi, stimmte lauthals mit ein und ich, die ich schon seit Jahren mein Herz an den wunderbaren Kitsch alter Arbeiterlieder verloren habe, natürlich auch… Der Gemeindebau ward in seiner Festung erschüttert.
Es war also ein Fest, wie man es sich wünschen möchte. Und zu guten Festen gehören auch gute Geschichten. Die beste Geschichte des Abends kam von M., der konsequentesten Mutter weit und breit.

M. reiste nämlich mit Noelinho, ihrem Sohn und einem der ältesten Freunde des Zwergenmannes, nach Barcelona. Und der Zwergenmann nutzte die Nähe zu Madrid und stieß kurzerhand auch dazu.
Wie die Interessen so gepolt sind, gehörte M. die Kultur und den beiden Jungs das Nachtleben der Stadt. Nun geschah es, dass bei einem der Ausflüge der Herrschaften in eine sündteure katalanische Nobeldisco Noelinho, unser ZweiMeterEngelchen, prompt Streit mit einem Rausschmeißer anfing. Der Kerl testosteronschwanger, Noelinho nicht minder … man(n) kennt das ja.
Kurzum: Zwergenmann und Noelinho landeten in hohem Bogen in der katalanischen Gosse und der fröhliche Abend fand erstmal ein desaströses Ende. Doch wer hier den Höhepunkt der Schmach vermutet, der kennt die gute M. nicht. So klein und zierlich M. auch sein mag, so laut und energisch kann sie auch werden. Die Standpauke, die sich der gute Noelinho anhören konnte hat sich jedenfalls gewaschen:
Er möge doch endlich lernen, ein b i s s c h e n autoritätshöriger zu sein. Es gäbe nun mal gewisse Berufsgruppen, da mache es doch keinen S i n n sich anzulegen, da wäre man mit ein b i s s c h e n Diplomatie doch v i e l besser bedient. Wie oft, por la Santa Maria, hätte sie ihm das schon versucht einzubläuen: Die Kreise der Polizisten, Schwarzkappler, Richter und Lehrer und natürlich auch Rausschmeißer solle man einfach r e d e n lassen, da ziehe man mit Widerworten ja doch nur den Kürzeren und so weiter und so fort.
Ich sehe es richtig vor mir: Der arme Noelinho schrumpfte angesichts der Moralpredigt seiner energischen Mutter, die über ihn hereinprasselte wie ein kalter Wasserfall, sicher wieder auf Kindergartengröße …
Nun, die Emotionen legten sich, das Urlaubsende kam wie immer schneller, als erwartet und als die Beiden müde von der Heimreise die Linzer Straßenbahn bestiegen, kam, was kommen musste: Fahrscheinkontrolle. Und natürlich kein Fahrschein.
Nun, die gute M., seit einem Jahr Wahl-Linzerin auf der Mission das Kulturhauptstadtprogramm zu organisieren und nie um Worte verlegen, warf ihren ganzen Charme in die Waagschale den Herrn Schwarzkappler zu bezirzen und zu überreden von einer Strafe doch abzusehen. Doch der Herr und Meister der Linzer Verkehrsbetriebe blieb eisern. Und das Blut meiner kleinen chilenischen Freundin begann zu kochen. Über kurz oder lang steckte sie im schönsten Skandal und hieß die Linzer Obrigkeit alles, was wir hier nicht wiedergeben wollen, die natürlich seinerseits prompt die Polizei rief.
Wer bei der ganzen Show mit verschränkten Armen und einem breiten Grinssen daneben stand, lässt sich unschwer erraten. „ja, ja, Mama … ein b i s s c h e n autoritätshöriger …“.
Ist doch schön, wenn die falschen Moralpredigten zuverlässig wie ein Bumerang auch prompt wieder zurückkommen!

9 Kommentare to “Ein moralischer Bumerang”

  1. Was wäre die Welt ohne M.s und ihre Inkonsequenz?

  2. autoritätshörig? dazu eine geschichte, die sich vor kurzem in einem wiener club ereignete:

    meine freundin n., eine schönheit mit dunkler wallemähne, wollte mit freunden in diesem club feiern. beim betreten verstellte ihr allerdings ein zweimeterriegel den weg, sie müsse ihre jacke abgeben.
    na gut, wenn schon, dann die tasche auch gleich mit. nein, das geht nicht, verbat der zweimetermann.
    daraufhin heftige diskussionen, der zweimetermann holt den türsteher zu hilfe(!). dieser ist noch ein paar meter größer und breiter als der zweimetermann (ganz im ernst).
    meine freundin n. blickt nach oben, über ihr bedrohlich die übermannesmacht.
    sie macht ein liebes gesicht, packt ihre jacke kurzerhand IN die tasche und fragt:
    darf ich jetzt meine jacke abgeben?
    sie hat gewonnen. die zwei riesen sind kleinlaut zur seite getreten und sie, göttin diana hat hocherhobenen hauptes den club betreten (der eh total öd war!).

  3. Eine nette Geburtstagsgesellschaft, kann ich mir lebhaft vorstellen.

    Und was den Bumerang betrifft – kenn ich nur zu gut. Erst großspurige Vorträge halten und dann – kurz vor der Haltestelle Bubenbad – eine Kontrolle. Die Kinder grienen sich eins und zeigen brav den Schüler-Verbundpass, der Vadder kriegt ne rote Birne und und muß sich kleinlaut als Schwarzfahrer zu erkennen geben. Erst sehr peinlich, dann aber lautes Gelächter aller…

  4. austrolischer bumerang ~ mit großzügiger anflugbahn durch biografische fluren & faunen.. 🙂

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