Pietätlose Idylle

Über trockenes Gras spazieren. Es wartet genauso ungeduldig auf den Frühling, wie ich.
Das sehe ich ihm an…
Ein Boden in den Farben des Ende des Winters. Damals war er mit Blut getränkt.
Das sehe ich ihm nicht an.

Ich hole mir die Bilder vor mein geistiges Auge. Grobe Bilder in schwarz weiß, abgewetzt von Blicken, die nach Verstehen suchen. Doch wenn ich den Ort auf mich wirken lasse, dann spüre ich nichts, als Verwunderung. Wie ein Unbehagen darüber, dass das Große, das Unbeschreibliche, das Dämonische dieser dunklen Zeit nicht hängen blieb an diesen Felsen, nicht zu sehen ist auf dieser Erde, nicht spürbar ist in dieser Luft.

Wie der Nebel im Steinbruch hängt und die Sonnenstrahlen durchblinzeln. Wie der Fels mit dem Eiswasser Rohrschachbilder malt. Über denselben Fels stürzten einst Menschen, gestoßen von anderen Menschen, die dem Hang dann den Namen Fallschirmspringer Wand gaben.



Ich seh mir den Platz an und er ist einfach nur … schön. Und ich ringe mit der Frage „ja, darf er denn das?„. Doch was ist, muss nicht dürfen. Was ist, ist. Und letztendlich kalmiere ich mein Unbehagen mit der Vorstellung der Natur, die mich hier verhöhnt, mir bildlich zeigt, wie wenig es sie schert, wenn wir Deppen uns gegenseitig umbringen.

Und recht hat sie …

12 Kommentare to “Pietätlose Idylle”

  1. Ja! Ganz recht: schöne Felder!
    Und der Schrecken im Text packt nach wie vor.

  2. So ähnlich ging es mir in der Normandie. Am Strand das Gefühl, Du darfst hier nicht stehen, geschweige denn liegen, all das im Sand versickerte Blut. Und doch war es ein Ferienort und den Schrecken fand man aufpoliert und schmerzlos verwahrt im Museum neben dem Eisladen.

  3. Ich schließe mich gerne an: sehr beeindruckende Zeilen und auch Bilder. So wie du sagst: schrecklich schön!

  4. Mauthausen war,ist und bleibt ein besonderer Platz in der Erinnerung und im Heute. Sehr beeindruckende Bilder und Gedanken.

  5. Sehr beeindruckend, Wort wie Text.

  6. Hätte ich nur schnell die Bilder betrachtet, hätte ich nun fröhlich den Tag begonnen. Denn sie sind von einer ungewöhnlichen Poesie, die mich glücklich macht. Normalerweise. Aber nachdem ich begriff, worum es geht, wich das sanfte Glück dem Schreck.

    • eben so ähnlich gings mir auch. daher die frage ‚darf so was schreckliches so schön sein?‘ Aber es ist, wie es ist …

      • Wenn die Ästhetik zum Nachdenken anregt, ist das erlaubt. Absolut.

        • mehr als das. sie muss garnicht dürfen, die natur, alte anarchistin die. sonst müssten wir uns jetzt überlegen, wieviele jahre gefängnis wir ihr für japan geben. oder auch für wieviele friedensnobelpreise wir sie nominieren für ihre alles besänftigende wirkung in anderen momenten.

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