Das Wiener AKH – Shopping Mall des Grauens

Neuerdings wird Frau von leuchtenden Pink Ribbons umzingelt, jeder Schluck aus der Mineralwasserflasche flüstert ihr ins Ohr, wie wichtig eine Vorsorgeuntersuchung ist. Brustkrebs ist schließlich kein Kuscheltier und wer seine Prachttitten schön rund halten will, soll sie regelmäßig ins Bügelbrett halten.


Also gut, dann mach ich das halt mal, dachte ich bei mir. Doch leichter gesagt, als getan. Einfach zur Mammografie gehen ist nämlich nicht. Nein, da muss man erstmal Termin ausmachen beim Gyn, Überweisung holen vom Gyn, Termin ausmachen auf der Brustambulanz und dann, ja dann beginnt der Spaß erst so richtig.

Nämlich im Wiener AKH.

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Wer das allgemeine Krankenhaus betritt, dessen Bau im architektonisch so einladenden Flakturmstil von deftigen Schmiergeldskandalen flankiert wurde, wähnt sich erstmal in einem der hektischen Einkaufszentren der Stadt. Supermarkt, Bank, Starbucks, Bäckerei, Trafik und andere Shops füllen die Ankunftshalle. Ein Obi Baumarkt oder Beate Uhse Store würde nicht weiter auffallen. Und mittendrin ein riesiger geschmacklos geschmückter Christbaum.

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Verstört drehe ich am Absatz um, doch da steht tatsächlich „AKH“ am Eingang. Offenbar bin ich doch richtig.

Also auf zum Infostand, ohne TomTom trau ich mich nämlich nicht zwischen den 27 Unikliniken die Richtige zu finden.
Auf meine Frage nach der Brustambulanz, nuschelt der Portier ein grantiges „Bauaup“. Wie bitte? „BLAU HAUPT“ schnauzt er mich an. Aha – Blau Haupt also. Das beginnt ja prächtig. Wieviel Einfühlungsvermögen braucht es eigentlich, um zu verstehen, dass interne Fachfloskeln einem Patienten nicht weiterhelfen? Meinen wütenden Blick kontert der Portier noch mit einem rotzigen „Heans, wia deitlich brauchns’as denn, damits mi verstehn?“ – ach rutsch mir doch …

Also doch selber suchen – mit ansteigenden Aggressionspegel über dutzende Rollbänder …
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… mit wachsender Resignation durch elendslange Gänge mit dubiosen Optiken …
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… angstschweißgebadet hab ich irgendwann keine Lust mehr weiterzusuchen, möchte mich nur noch hinlegen und diese Mandalaoptik auf mich einwirken lassen …
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… doch 3 Ambulanzen später, in denen ich wie eine Ware von A nach B nach C weitergeleitet wurde hab ich dann doch gefunden, was ich suchte. Nach diesem Gewaltmarsch durch die Shopping Mall des Grauens waren die eineinhalb Stunden Wartezeit dann nur noch ein Klacks, den ich lethargisch zur Kenntnis nahm.
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Fazit dieses Vormittags: Heute wurde nur betatscht. Für die Mammografie muss ich mir einen neuen Termin ausmachen und den ganzen Horror ein zweites Mal über mich ergehen lassen. Bezeichnenderweise am 24.12. – an dem Tag hat man schließlich ohnehin nichts Besseres vor. Der Ratgeber „Leben mit Brustkrebs“ scheint mir plötzlich eine erschreckend einleuchtende Alternative …

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11 Kommentare to “Das Wiener AKH – Shopping Mall des Grauens”

  1. Wenn DAS nicht der Herr Portier höchstpersönlich war…

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