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Freitag, 8. Mai 2009

Die Wundertüte

Vernachlässigt hab ich mein Postfach in der letzten Zeit, die Gedanken ganz woanders … zuerst in Gewitter-, dann in zartrosa Wolken gehüllt – also überall nur nicht bei meinen Freunden von der Post. Und bitteres Unrecht hab ich ihnen getan, als ich den Postkastelschüssel ins Schloß steckte und überlegte, wieviele unerfreuliche Rechnungen es wohl diesmal sein werden. Mitnichten nämlich!

Ein Überraschungspäckchen lag darin – fast vorwurfsvoll sah es mich an und mir schien, als käme ein kleines knurriges „na endlich!“ Stimmchen hinter den bunten Briefmarken hervor. Nanu? Wer bist denn du? An Joulu adressiert?? Langsam dämmerte es mir … war da nicht … da war doch was … Lakritze!

Und tatsächlich – die liebe Lakritze, mir bekannt als Verfasserin herzbewegender Erinnerungsfragmente und kritische Beobachterin, hat ihre Frühlingslaune in die Tat umgesetzt. Das Ergebnis liegt nun hier vor mir:

wundertueteDer Beitext macht mich neugierig, verspricht ein „nicht ganz keusches“ Päckchen, geschrieben in einer luftigen Handschrift. Sie hält den Stift sicher locker in der Hand beim Schreiben, da ist nichts Verkrampftes – weder im Schriftbild noch in der Wortwahl, die mich amüsiert („Ich habe Grund zur Annahme, daß der damalige Ehemann einen Lachanfall erlitt„) … ihre Handschrift sieht ein bisschen asiatisch aus … das kleine a und das große M fallen auf. So stilvoll wie schnörkellos.

Und dazu ein nicht ganz keusches Päckchen in schwarzem Seidenpapier, verschlossen mit einem einfachen gelben Klebebandkreuz. Da liegt es … und es sieht perfekt aus.

Die Vorfreude ist groß, doch der Verdacht, dass das Päckchen genau so wie es da vor mir liegt schon das Geschenk an sich ist, ich es quasi kaputt mache, wenn ich es öffnen würde, ist größer. Soll ich? Soll ich nicht?

Nein – Ich beschließe, es genau so zu bewahren, wie es ist – hin und wieder werde ich es hervorholen und mich neugierig fragen, was da wohl drin ist – und dann doch wieder vorsichtig an seinen Platz zurücklegen … Und so wird es immer noch ein Päckchen geben, das ich noch nicht geöffnet habe.

Danke, Lakritze!