Posts tagged ‘Halldór Laxness’

Donnerstag, 30. Juli 2009

Zeitreise auf isländisch

Unweit des Skógafoss entführt uns das Freiluftmuseum Skógasafn auf eine Reise ins alte Island. Die verdanken wir der Sammlerleidenschaft Þórður Tómassons, der die Kellerbestände der örtlichen Schule entdeckte und Stück für Stück ergänzte, bis die Schule aus allen Nähten zu Platzen drohte. Das war die Geburtsstunde des Skógasafn Freiluftmuseums 1949.

1968 ergänzte Þórður die Sammlung durch ein besonderes Stück. Er ließ das Haus seines Urgroßvaters aus dem Jahr 1840 abtragen und auf dem Gelände rekonstruieren. Diesem folgten bald weitere Häuser aus den südisländischen Landkreisen Rangárvallasýsla und Skaftafellssýsla. Eine Schule, eine Dorfkirche, ein Bauernhaus mit Grasdach …

Bauernhaus, 1830

Grassodenhaus eines Bauern, 1830 - 1895

Die detailierte Innenausstattung der Häuser läßt jeden Moment vermuten, dem Hausherren zu begegnen. Da in der Küche sieht man die Magd bei der Zubereitung des Skyr vor sich, dort hört man noch die Schafe im Stall blöcken. Und da im Schlafzimmer mit den zwei Betten hab ich schon wieder dieses unheimliche Laxness Déjà vu …

Aber an den Samstagabenden kamen sie manchmal nach Hause, besonders wenn das Wetter schlecht war, und dann gar nicht so selten betrunken. Darum blieb der Junge …

skogasafn_stall

... so lange wie möglich im Kuhstall.

Des Sonntags lagen die Brüder im Bett, rechts und links neben der Wohnstube, und unterhielten sich auf …

... etwas grobe Art;

... ihre grobe Art;

dabei wurde viel gelacht. Ihr Lachen schien tief aus der Kehle zu kommen, vielleicht von noch tiefer her. Jana machte während dieser sonderbaren Morgenandachten der Brüder oft einen Abstecher …

skogasafn_schlafraum

... hinauf in die Stube.

Ging das Mädchen an ihren Betten vorbei, streckten die Brüder die Beine aus dem Bett, um ihr den Weg zu verlegen. Dann schrie Jana so laut, als sei sie in Lebensgefahr. Das machte den Brüdern Spaß. War der Junge nebenan, ergriff er heimlich Partei für das Mädchen, obwohl sie ihm nur selten beistand. Trotz ihres Geschreis war Jana gar nicht bange, sondern packte die Beine von Just und Nasi, siegte oder erlitt Niederlagen, um danach mit puterroten Gesicht …

skogasafn_treppe

... die Treppe hinunterzuflitzen.

Aber bald war sie wieder oben, um irgendetwas Wichtiges zu holen.
(aus Weltlicht, Halldór Laxness, Rowohlt 40022)

Besonders gut hat mir auch das Haus von Holt aus dem Jahre 1874 gefallen. Es gehörte dem ehemaligen Landrat des Landkreises Síða, Árni Gíslason, und war das erste Holzhaus im Landkreis, gebaut rein aus Treibholz. Die Wände der Wohnstube stammen aus den Planken des Spitalschiffs St. Paul, das 1899 vor der Küste strandete.
Im Gegensatz zu den bescheidenen Stuben des Bauernhauses merkt man diesen Räumen die gehobene Stellung ihres Hausherrn an. Hübsche Tassen, bierernste Familienportraits an den Wänden, Tischdeckchen und schöne Luster. Ja, der Herr wußte seine Besucher sicher zu beeindrucken.

Lust auf einen Besuch bei Árni? Na dann: Velkomin heima!

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Dienstag, 28. Juli 2009

Island, Tag 6 – begraben am Fuß des Snæfellsjökull

Friedhof in Budir mit Blick auf den Snæfellsjökull

Friedhof in Budir mit Blick auf den Snæfellsjökull

Snæfellsjökull – der Gletscher, an dem Jules Vernes seine Reise zum Mittelpunkt der Erde begann

Et se précipitant sur la feuille de papier, l’œil trouble, la voix émue, il lut le document tout entier, en remontant de la dernière lettre à la première. Il était conçu en ces termes :

In Sneffels Yoculis craterem kem delibat umbra Scartaris Julii intra calendas descende, audas viator, et terrestre centrum attinges. Kod feci. Arne Saknussem.

Ce qui, de ce mauvais latin, peut être traduit ainsi :

Descends dans le cratère du Yocul de Sneffels que l’ombre du Scartaris vient caresser avant les calendes de Juillet, voyageur audacieux, et tu parviendras au centre de la Terre. Ce que j’ai fait. Arne Saknussemm.

budir_morgen_snaefellsjoek3
und Halldór Laxness seinen Helden, den tragischen Dichter Ljosvikingur, im Roman Weltlicht enden ließ:

Es war stilles Wetter, mit dem Mond gerade im Süden, und ein kaltes bläuliches Licht. Er begann emporzusteigen. Zuerst gab es lange steile Abhänge, weiter oben schroffe, moosbedeckte Halden, dann Geröll, schließlich nur Schnee. Das Bild des Mondes wurde mit dem zunehmenden Morgengrauen blasser. Über dem Meer zog sich schwarzes Unwettergewölk zusammen. Er wanderte weiter über den Jökel, der Morgendämmerung entgegen, von Höhe zu Höhe; durch tiefen, neugefallenen Schnee, ohne auf das Unwetter achtzugeben, das ihn verfolgen könnte. Als Kind hatte er auf dem Strand bei Ljosvik gestanden und zugesehen, wie die Wellen den Strand hinauf und hinab gesogen wurden, aber jetzt wanderte er fort vom Meer. Denk an mich, wenn du viel Sonne um dich hast. Bald leuchtet die Sonne des Auferstehungstags über den hellen Wegen, wo sie ihren Dichter erwartet.
Und die Schönheit wird allein herrschen.

Reise zum Mittelpunkt der Erde?

Reise zum Mittelpunkt der Erde?

Samstag, 25. Juli 2009

Reykjavik Hafnarhúsið

Islands Kunst und Kultur wird dem Besucher großzügig zu Füßen gelegt. Das Hafnarhusið (Hafenhaus) führt zur Zeit eine umfangreiche Ausstellung des isländischen Malers Erró, bei freiem Eintritt (wie in allen isländischen Museen, die ich bisher gesehen habe).

Vor den ausgestellten Künstlern beeindruckt mich das Hafnarhusið aber erst einmal durch seine aufregende Architektur aus der Feder des isländischen Architekturbüros Studio Granda. Schon das große Schachbrett in der Bibliothek des Erdgeschoßes ist Sinnbild für das architektonische Konzept des Hauses: Man setzt auf harte Schwarz-Weiß Kontraste…

Architekturschach im Hafnarhusið

Architekturschach im Hafnarhusið

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