Sch … sch … schön wars im Eschschloraque!

Berlin, du dufte Stadt! Da bin ich wieder!
Bisher stand jeder meiner Berlin Besuche unter einem anderen Stern, aber dieses Mal hab ich das Glück, die Stadt von einer ganz besonders geschichtsträchtigen Seite kennen zu lernen. Wir wohnen in der Rosenthalerstraße 39, sind Gäste des Eschschloraque rümschrümp im Haus Schwarzenberg.


Der Roman „Schwarzenberg“ von Stefan Heym erzählt die Geschichte einer Stadt im Erzgebirge, die – links die Amerikaner, rechts die Russen – 1945 kurzerhand zu befreien vergessen wurde. So entstand für 42 Tage die freie Republik Schwarzenberg, nach der dieses Haus – links die Spekulanten, rechts die Hauseigentümer – benannt wurde und seit 17 Jahren tapfer um seine Freiheit kämpft.

Die Geschichte des Hauses reicht in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts zurück. In den 1920ern war es Sitz einer Wäschefabrik (wer genau schaut, sieht noch die Inschrift „Gebr. Majanz“ auf der Fassade) und Wohnraum seiner Textilarbeiterinnen, in den 30ern wurde hier ein Mittagstisch für notleidende Juden betrieben. In einem Seitenflügel errichtete der anarchistische Poet Otto Weidt eine Bürstenwerkstatt und beschäftigte vorrangig seh- und hörbehinderte jüdische ArbeiterInnen, einige konnte er verstecken und rettete ihnen so das Leben. Später stand hier der Sitz des Verbandes für Film- und Fernsehschaffende der DDR. Das jetzige Cafe Cinema war ihre Kantine.

Heute sichert der Verein Schwarzenberg hier eine Oase für kleine Gewerbetreibende, KünstlerInnen und Kulturschaffende und stellt ihnen dauerhaft Räume zur Verfügung, die ihr bescheidenes Budget nicht sprengen. Mitten in Mitte zwischen Flagshipstores und Gentrifizierungswahnsinn ist dieser Hof eine Wohltat.

Berlin, du wandelbare …

Die Gespräche mit unseren Gastgebern in der Kaffeeschwemme drehen sich vorrangig um die Vergangenheit, um die großen Jahre der Wende, in denen Berliner Gechichte geschrieben wurde. Wehmütig wird zurückgeblickt, leicht entnervt der Blick den Heerscharen fotografierender Touristen entzogen. Neben uns geht die Treppe runter in einem Kellerraum, in dem Hannes von den Dead Chickens das großartige Monsterkabinett aufgebaut hat. Dieses Kellerjuwel ist mehr, als eine nette kleine Freakshow für Touristen. Die Dead Chickens blicken auf eine jahrzehntelange Geschichte pneumatischer Wunderwerke, sie tourten weltweit auf Festivals, in Gallerien und Museen. Heute mag es ruhiger geworden sein um die Hühner, but chickens ain’t dead!

Wir verbringen glückliche Tage im Haus Schwarzenberg und ich möchte die lieben Menschen dort ganz besonders grüßen für die herzliche und unkomplizierte Art, mit der sie uns in ihrer Mitte aufgenommen haben. Ich denke oft an Hendryk, der uns so viel Zeit geschenkt und so tolle Plätze gezeigt hat, an seine eindrucksvolle Freundin Yuki mit der schönen Stimme, an Hannes und Kai, an die lustige Josie (wer stilgerecht in Berlin unterkommen möchte, melde sich bei ihr!) und an Rosi, Grande Dame der Berliner Schuhszene.
Danke für Alles! Ihr seid die Besten!

www.haus-schwarzenberg.org
www.monsterkabinett.de
www.deadchickens.de
www.eschschloraque.de
www.myspace.com/yuukikaoru
soundcloud.com/yuko-matsuyama
www.sleepingalerie-berlin.de
www.calypsoshoes.com

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8 Kommentare to “Sch … sch … schön wars im Eschschloraque!”

  1. Ah, hätte ich das mal früher gewusst! War von Ende Februar bis Ende April für ein Praktikum in Berlin!

  2. super!!!!!viele grüsse josephin (josy )

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