Sinnerfassung negativ

Mein Arbeitskollege D. wünscht sich von unserer Finanzministerin Dr. Maria Fekter eine Auskunft …
Zugegeben – sich von Wirtschaft & Politik klare Aussagen zu wünschen zeugt von goldigem Optimismus.
Die Antwort, die er bekam, riecht aber schon schmerzlich deutlich danach, den lästigen Bürgerpöbel mit Serienbriefschnipsel abschütteln zu wollen.
Aber vielleicht tut sich der Herr Magister im Bundesministerium für Finanzen ja auch einfach nur schwer mit sinnerfassendem Lesen:

Frage:

S.g. Frau Dr. Maria Fekter,

in zahlreichen Ihrer öffentlichen Äußerungen, insbesondere im heutigen derStandard-Chat verwenden Sie oft die Entlastung des Mittelstandes als Aufhänger. Ich kann der Argumentation dabei oft nicht folgen, weil die Beschreibung dessen wer damit genau gemeint ist, auf Mittelschicht schließen lässt. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung definiert Mittelschicht als die Bevölkerungsgruppe, die über ein Einkommen von 70% bis 150% des Medianeinkommens verfügt, während der Mittelstand Unternehmen umfasst, die eine gewisse Größe (bis zu 500 Mitarbeitern, Jahresumsatz bis zu 50 Mio. Euro.) nicht überschreiten.
Da diese beiden Gruppen sich zwar teilweise überschneiden aber sicher nicht deckungsgleich sind, bitte ich Sie, mir genauer zu erklären welche der beiden bei Ihren Äußerungen (Cashcow der Nation, geringe Transferleistungen, Mittelschicht sind für mich jene, die Einkommensteuer bzw. Lohnsteuer bezahlen. 2.700.000 Einkommenbezieher zahlen nämlich keine Einkommensteuer bzw. Lohnsteuer. Daraus ist erkennbar, wer der Mittelstand ist.) gemeint ist.

Mfg,
D

Antwort:

Mag. P
BMF Kommunikation
Hintere Zollamtsstraße 2b
1030 Wien

Wien, 09. September 2011

Sehr geehrter Herr D.!
Vielen Dank für Ihr E-Mail vom 6. September 2011 zum Thema Mittelstand an Frau
Finanzministerin Dr. Maria Fekter, die mich gebeten hat, Ihnen zu antworten.
Zu den von Ihnen angesprochenen Leistungsträgern in Österreich – nämlich dem
Mittelstand – zählen diejenigen Menschen, die arbeiten, Steuern zahlen und von ihrem
Arbeitseinkommen leben sowie auch ihre täglichen Erfordernisse für sich und ihre Familie
bestreiten. Darüber hinaus gehören jene Menschen dazu, die etwas leisten wollen und nicht
von Transferleistungen abhängig sind.
Klar ist, das derzeitige Steuersystem ist sehr kompliziert und dadurch leistungsfeindlich.
Österreich ist ein Hochsteuerland und gerade die Leistungsträgerinnen und Leistungsträger – und insbesondere der Mittelstand – sind derzeit ausgesprochen stark belastet. Die Bundesregierung beabsichtigt daher noch in dieser Legislaturperiode die Präsentation eines optimierten Steuersystems; die Ideensammlung hat bereits begonnen. Denn das Steuerrecht hat sich nach den Bedürfnissen der Menschen zu orientieren – und nicht umgekehrt.
Die Vorgaben im Bereich Steuerpolitik sind klar: „weniger, einfacher, leistungsgerechter und
familienfreundlicher“. Darüber hinaus ist die Schaffung von Transparenz ein wichtiges
Anliegen, denn die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler haben ein Recht zu wissen was mit
ihrem Steuereuro passiert. Aufgabe der Politik ist es, gerechte und faire Rahmenbedingungen zu schaffen, denn Leistung, Fleiß und harte Arbeit müssen sich lohnen. Die Ausgestaltung des Steuersystems ist auch eine Frage der Leistungsgerechtigkeit und der Solidarität mit den hart arbeitenden Menschen in unserem Land.
Ziel von Frau Finanzministerin Dr. Fekter ist, den Wohlstand in unserem Land zu vermehren
und den Staat nicht abzuwirtschaften. Defizitabbau und Schuldenbremse sind ohne
Alternativen, um eine sichere Zukunft in Wohlstand für uns und kommende Generationen zu
garantieren. Auch in Zukunft wird es in der gemeinsamen Verantwortung der
Entscheidungsträger liegen, sich allen Fragen vorbehaltslos zu nähern und für alle
Betroffenen eine einvernehmliche und zufrieden stellende Vorgangsweise zu erarbeiten.
Ich versichere Ihnen, wir sind uns der großen Verantwortung gegenüber der Bevölkerung
bewusst und werden alle erforderlichen Schritte unternehmen, um den Menschen jene
Sicherheit zu geben, die sie brauchen und auch zu Recht von uns erwarten.


In diesem Sinne danke ich Ihnen für Ihr Interesse sowie für die Zeit, die Sie sich genommen
haben, uns zu schreiben.


Mit freundlichen Grüßen,
P.

Das wäre jetzt auch kürzer gegangen: Quack Quack Quack!

18 Kommentare to “Sinnerfassung negativ”

  1. (auch wenn’s nicht ganz zum Thema passt…)
    Die Ente ist das Klo runter. Wir alle (!) würden sie gerne wieder hinaufschwimmen sehen. Ich denke, für ein Quak vereist unser eisige Herz noch mehr. JIppjipp!

    (Auch, wenn ich es unabsichtlich in den „entegutallesgut“-blog reingeschrieben habe. Warum auch immer…)

    P.S.
    Liebe Grüße von Herbert Strommer und Peter Patzl. 🙂

    • quak quak quak
      ein quak für die grop (the legendary, the one and only, the faaaabolous Paranoid Million Dollar Rocking Snow Goons!)
      ein quak für den prof
      und ein quak für die wackeren verbleibenden in PoP! Einst fragte ich mich, wer wohl den letzten buchstaben in dieses forum schreiben wird. heut weiß ich: ich bins nicht :-p

  2. „Zu den von Ihnen angesprochenen Leistungsträgern in Österreich – nämlich dem
    Mittelstand – zählen diejenigen Menschen, die arbeiten, Steuern zahlen und von ihrem
    Arbeitseinkommen leben sowie auch ihre täglichen Erfordernisse für sich und ihre Familie
    bestreiten. Darüber hinaus gehören jene Menschen dazu, die etwas leisten wollen und nicht
    von Transferleistungen abhängig sind.“

    Laut der Definition gehöre ich zum Mittelstand. Anderswo würde man mich bei meinem Einkommen als armutsgefährdet einstufen… Da kenn sich mal einer aus…. Naja, die Mitzi (die niemand in ihrem Bekannten und Freundeskreis so nennt) hat halt teils radikalere Ansichten und ihre MitarbeiterInnen wohl auch….
    Naja, irgendwann bin ich mit meiner Ausblidung auch fertig und dann strebe ich den Aufstieg in die nächste Kaste an 😉

  3. Ein PoP’sches Wahlzuckerl stände auch bei dir aus, Joulu.
    Oder sind deine diktatorischen Tagträume nun endgültig in die Vergangenheit gerutscht?

  4. Ich glaube, der herr Magister hatte denselben Biolehrer wie ich: solange ich in schriftlichen Tests akkurat mit ein bis zwei Sätzen auf die jeweilige Frage geantwortet habe, bekam ich bestenfalls ein 4. Als ich anfing, einfach alles, was mir in freier Assoziation zum jeweiligen Thema einfiel (oder was ich schlichtweg auswendig gelernt hatte) hinzuknallen (3/4 bis ganze DIN A4 Seite), war Bio eins meiner besten Fächer. Sinnerfassendes Lesen ist überbewertet.

  5. Nächsten Samstag habe ich das letzte Mal vor der Berliner Wahl die Möglichkeit, auf meinem Markt den Kandidaten mehrerer Parteien diverse Richensa-Gretchenfragen zu stellen. Bislang haben sie mir alle wunderbar nach dem Mund geredet. Ich musste bislang immer nach einer Weile entweder fassungslos über soviel Bla-bla oder schwindelig vom Dummreden weiter gehen und habe zweimal gar nicht das Ende des Salbaderns abgewartet. In der Tat war das unhöflich, aber… ich weiß beim allerbesten Willen nicht, wo ich kommenden Sonntag Kreuzchen machen soll. Und das allerschlimmste ist, dass Nichtwählen das Schlimmste ist!

  6. So, wie sich das liest, ist mit dem „Mittelstand“ fast alles gemeint – eben auch die gesamte „Oberschicht“ (eigentlich mag ich solche Einteilungen nicht). Damit verliert der Begriff Mittelstand/-schicht irgendwie seine Bedeutung, oder nicht?

    • heyo heinrich!
      mittelstand=unternehmen, mittelschicht=menschen. soweit einmal der gröbste und entscheidentste unterschied, würde ich meinen.
      aber kümmern wir uns lieber um die wirklich essentiellen fragen: wann kommt der franke eigentlich endlich wie versprochen mal zu besuch nach wien? oder war das auch ein pop’sches wahlzuckerl?

      • Wahlzuckerl dürfen ab und an auch mal eingelöst werden, gell? 😉 Guck‘ mal in Dein E-Mail-Postfach, das Du mir wegen der Umfrageaktion angegeben hast (falls Du’s denn noch verwendest).

  7. Naja, mit Verdacht für eine besondere Sympathie für Österreichs Steuerpolitik und deren oberster Vertreterin, aber, was soll das Büro der Ministerin auf eine rhetorisch anmutende Frage auch antworten? Die Frau Minister hat sich zur Mittelstandslexik doch konkret geäußert: „[Cashcow der Nation, geringe Transferleistungen, Mittelschicht sind für mich jene, die Einkommensteuer bzw. Lohnsteuer bezahlen. 2.700.000 Einkommenbezieher zahlen nämlich keine Einkommensteuer bzw. Lohnsteuer. Daraus ist erkennbar, wer der Mittelstand ist.)“. Vielleicht sollte sich dein Arbeitskollege mal Fragen mit etwas mehr Tiefgang ausdenken? 🙂

    • Sehe ich nicht so.
      Das Mindeste, das ich von Phrasendreschern erwarte, ist, dass sie die Phrasen kennen, die sie dreschen. Also wie in dem Beispiel nicht Mittelstand sagen, wenn sie Mittelschicht meinen. Das Mindeste, dass ich mir vom PR-Büro der Ministerin erwarte, ist eben sinnerfassendes Lesen. Sonst geht der Schuß halt (gerechtfertigterweise) nach hinten los.
      Mal ganz abgesehen davon, dass man Fragen mit mehr Tiefgang zuletzt vielleicht in den 70ern an die Politik stellen konnte…

  8. So klar mußte das auch mal gesagt werden. (Das heißt, nein, steht ziemlich ähnlich schon auf den Wahlplakaten …)

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