Wolkendekatanz

Manchmal spielt ein Irrlicht mit deiner Lebenszeit Flaschendrehen.

Zumindest fühlte es sich für mich so an, da ich gerade völlig unverhofft zu Menschen zurückfinde, mit denen ich vor einem guten Jahrzehnt viele schöne Momente geteilt habe. Dann trieb wahrscheinlich just dasselbe Irrlicht, dem es jetzt beliebt mit mir Puzzle zu spielen, einen Keil zwischen uns und jeder ging seiner Wege.

Nun sitz ich hier am Berg, die Freunde nehmen eine ihrer Radiosendungen auf und die Sonne brennt gnadenlos vom Himmel und taucht das Panorama in gleißendes Licht.
Alles blendet.
Sonne wie Erinnerung.

Und eingebettet in den vertrauten Beat vergangener Tage ziehen langsam Wolken auf und die Zeit an mir vorbei.
12 Jahre
In 12 Jahren sind rund so viele Berge und Täler verpackt wie sie der Horizont gerade vor mir ausbreitet kurz bevor es dunkel wird und nur mehr ein Band heller Wolkenstrahlen durchlässt.

12 Jahre
Da gingen Kinder durch dunkle Zeiten, wurden erwachsen. Andere erblickten das Licht der Welt. Momente der Freude und Zuversicht ziehen vorbei und wechseln ab mit jenen der Trauer, des Schreckens und der Wut und wieder mit jenen der Erholung und der Hoffnung. Freundschaften zerbrechen, Menschen fürs Leben werden entdeckt. Gewohnheiten liebgewonnen, andere abgelegt.
12 Jahre.

Ein Gewitter zieht auf am Horizont und wandert einmal im Kreis um uns herum. Wie die Blase um die Börsen im letzten Jahrzehnt. Man wähnt sich im Vertrauen, es ziehe schon vorbei. Und manchmal sieht es ja wirklich danach aus.
Ruhe vor dem Sturm.
Licht am Horizont.
Entpuppt sich manchmal als entgegenkommender Zug.

Die Sendung geht weiter, Sound wird zu Swound und Wetterkapriolen peitschen Stimmung und Himmel in aufregende Farben und Formen. Staunen und Ehrfurcht liegt in der Luft.
Momente, die es wert sind die Zeit anzuhalten.

Und dann fallen die ersten Tropfen, und werden rasch zu einer einer kleinen Sintflut. Der Berg unter uns löst sich in braunen Schlammbächen auf.
Ganz klein werde ich vor der Naturgewalt.

Doch die Sendung geht weiter …

… und wird belohnt. Durchhalten. Dann reißt auch die schwärzeste Wolkendecke irgendwann auf.

Erde trocknet. Wunden heilen.

Ein Wetter wie ein Jahrzehnt.
Manchmal kitschig schön, manchmal tiefschwarz.
Und alles muss genau so sein, wie es ist.
Ich sehe mir die Gesichter rund um mich an, die Zeit hat auch sie gezeichnet. Mir scheint, sie hat sie schöner gemacht.
Milder. Und irgendwie klarer.
Und ein Gefühl des nach Hause kommens breitet sich in mir aus…

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17 Kommentare to “Wolkendekatanz”

  1. Danke, dass du mir deine Bilder zur Verfügung für mein Projekt, Heaven’s Cloud, stellst! 🙂 Freue mich sehr!

  2. Schön an deiner Kreativität teilhaben zu können. Liebe Grüße von Rudi und Eva.

  3. Was für ein Himmel! Klasse Fotos.

  4. Oh ja, genau so schnell und langsam vergehen Jahre. Wie schön, dass ihr euch wieder gefunden habt und es den Anschein macht, als hätte die Auszeit kein Wässerchen getrübt. Manchmal ist das Leben doch ein Wunder!

  5. Perfekter Wetterzyklus. Und atemberaubende Bilder.
    Ein gutes Nachhausekommen Dir!

  6. Wie poetisch. Und wie nachdenklich stimmend. Was für wunderschöne Bilder!

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