Die Farbe und das Zeitempfinden

bunt = neu
grau = alt

Wie stark diese Assoziation in meinem Hirn verankert ist, wurde mir soeben bei der Betrachtung der phänomenalen Fotoserie Sergei Mikhailovich Prokudin-Gorskiis (1863-1944) auf Boston Globes Fotoarchiv bewußt.
Die Menschen auf den Bildern scheinen einer lokalen Trachtengruppe entsprungen, Farben und Tiefenschärfe der Bilder vermitteln den Eindruck, sie wären gestern aufgenommen worden.
Doch mitnichten: die Fotos sind 100 Jahre alt.
Mein historisches Zeitempfinden fühlt sich betrogen!
Und irgendwas in meinen Gehirnwindungen will einfach nicht glauben, was es da sieht …


(c) The Big Picture: Russia in color, a century ago

Zusatz: eben entdeckt – gesamte Fotodatenbank Prokudin Gorskiis im Netz:

prokudin-gorsky.ru oder Library of Congress

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8 Kommentare to “Die Farbe und das Zeitempfinden”

  1. immer schön bunt anziehen und jung bleiben

  2. Ich bekomme immer einen gelinden Schock, wenn ich Farbfotos oder gar -filme aus der Nazi-Zeit sehe – in meinem Hinterkopf nistet anscheinend hartnäckig die Überzeugung, das Leben damals müsse schwarz-weiß gewesen sein…

    • Stimmt, die Farbbilder der braunen Bagage waren mir auch bekannt und haben auch schon immer einen seltsamen Effekt ausgelöst. Aber die hier sind ja nun nochmal eine ganze Generation älter. UND sie sind teilweise so unerhört scharf (vor allem die Stadtaufnahmen), dass ichs garnicht glauben will.

  3. Wahnsinn – Was für ein Augenfutter.

  4. Tolle Fotos, die Farben!
    Die Library of Congress ist eine Fundgrube sondergleichen, habe da Fotos aus dem Amerikanischen Bürgerkrieg gesucht u gefunden…

  5. Was mich vor allem erstaunt ist, dass seine Technik der Belichtung von drei separaten Platten und das Zusammenführen zu einem Farbfoto ( ich hoffe, ich habe das in etwa richtig wiedergegeben) überhaupt nicht künstlich wirkt. Das Bild ist so authentisch, dass man sich die Augen reibt.

    Aber auch ansonsten ist Sergey Prokudin-Gorsky ein großartiger Fotograf, der ungeheure Schätze hinterlassen hat. Danke für diesen Bericht.

    • Ich wundere mich schon die ganze Zeit, wie ich erst jetzt über diesen Fotografen stolpern konnte. Und stimmt, einige seiner Sujets sind wirklich schön, doch so richtig fasziniert hat mich dieses unwirkliche Empfinden beim Betrachten dieser Bilder durch ein Zeitfenster zu schauen.

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