startschuß für die wahlplakatguerilla

Kürzlich sagte jemand zu mir „man sollte eigentlich was mit diesen Plakaten machen„, als wir an einer Reihe populistischer Demonstrationsobjekte blauäugiger Einschleimkultur vorbeiradelten. Das HC Marketing versucht es heuer mit weniger offensichtlichen Entgleisungen, Slogans a la „Deutsch statt ’nix verstehen‘“ wird man in der neuen Sujetlinie vergeblich suchen.

Verborgen bleibt die Deutschtümmelei hinter vermeintlicher Gesellschaftsfähigkeit. Hier sieht man ihn mit verständnisvoller Miene vor einem Pensionistenpärchen stehen – „ER will was WIR wollen: ENDLICH RESPEKT“ – dort treufürsorglich mit einem lachenden Kind am Arm einer besorgten Mutter – „ER will was WIR wollen: ENDLICH ZUKUNFT“ – und an jeder dritten Ecke als guter Kamerad des Freundes und der Helferin – „ER will was WIR wollen: ENDLICH SICHERHEIT„.

Strache suggeriert also im Hinblick auf die Wiener Bürgermeisterwahl neuerdings Gesellschaftsfähigkeit. Angesichts des gesellschaftlichen Kurzzeitgedächtnisses eine beinahe beängstigende Entwicklung. Mehr denn je sind daher jene Köpfe gefragt, die den Wahlkampfplakaten der letzten Jahre erstaunlich erfrischende Aussagenkorrekturen verpassten. Banale Hitlerbärtchen und Hakenkreuze will dabei niemand mehr sehen.

Vor jeder Wahl warte ich gespannt auf die genialste Reaktion darauf. Je subtiler, desto besser. 2008 hieß der Sieger Aktion Doppel-Stimme, zur heurigen Präsidentschaftswahl fiel meine Stimme eindeutig auf den Erfinder des Kaufmännischen Und.

Straches neue Werbelinie macht es schon schwieriger die richtigen Akzente zu setzen. Einen Kreativversuch habe ich allerdings schon gesichtet, der kommt zumindest mal in die engere Wahl:

Schöne Ausarbeitung, präzise Aussagekorrektur. Bloß an der Subtilität ließe sich noch ein wenig feilen.

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11 Kommentare to “startschuß für die wahlplakatguerilla”

  1. rache.at find ich gut, den lachenden häfnbruder versteh ich nicht so recht .. hätte stattdessen den lächelnden adolf genommen und die copy -> ENDLICH! – ICH & ER .. HEIL! österreicher, kummts ollä mit noach mauthausen …

    • Der lachende Häfenbruder soll natürlich assoziieren, wir sind „Endlich in Sicherheit“, wenn ER im Häfen sitzt.

      • ER lacht, weil er endlich im häfn sitzt, obwohl er die wahl gewinnnen will?
        wie du richtig sagst: an der subtilität ließe sich feilen ..
        -> in SICHERHEIT steckt was von SIEG HEIL. ein kalkuliert werbepsychologisch gewählter begriff?

      • Das halte ich für ziemlich weit her geholt, welche unterbewußten Assoziationen sollten dann auf die Schlagworte der anderen Plakate zutreffen?
        Und klar, kann man jedes Strache Plakat „nazifizieren“, aber ist das nicht einfach zu plump und damit eher wieder ein Eigentor? Ich mein, es reicht doch, wenn diese Buberlschaftler ewiggestrig sind, da müssen wir doch nicht in dieselbe Kerbe mit nicht minder ewiggestrigen Nazikeulen schlagen. Mit Witz und Charme im Design und sachlichen Argumenten in der Diskussion geht das doch weit überzeugender, die Keule kann dabei ruhig im Sack bleiben.

        p.s.: den grinsenden Strache im Häfen finde ich garnicht so unrealistisch, ich schätze das Zahnpastagrinsen wurde ihm auf chirurgischem Weg indoktriniert.

        • finde ENDLICH SIEG HEIL sehr treffend und keine spur plump, im gegenteil: es benennt den geist derer, die sich damals ergötzten und jener, die heute noch so denken und ticken.
          die aktuelle plakatinterpretation ist dagegen geradezu liebevoll – in etwa: ist halt doch einer von uns, der herr rache ..

  2. Nicht schlecht, aber es wird sich wohl leider nicht auf das Wahlergebnis auswirken.

  3. Haben wir uns eigentlich schon bei stRACHE dafür bedankt, dass er der geistige Vater der „Bürgerbewegung Pro NRW“ ist. Die hat mit ihren rechtsradikalen Sprüchen übrigens 106 000 Stimmen (1,4 %) bekommen und erhält für diese rassistische und ausländerfeindliche Scheiße nun auch noch Wahlkampfkostenerstattung.

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