Danke, Albert!

Urlaub daheim hat den unübertrefflichen Vorteil: Man kann sich wieder ins Nachtleben stürzen frei jeglicher spielverderberisch üblen Vorahnung eines verkaterten Arbeitstages danach.

Dank meiner lieben Freundin S., die trotz Arbeitsleben ihr Kunst- und Kulturleben mit bewundernswerter Hingabe pflegt, bekomme ich das Programm des Abends prompt serviert:

1. martin arnold in der galerie martin janda in der Eschenbachgasse 11:  http://www.martinjanda.at/
curated by_ martin arnold / art&film

Eröffnung: Donnerstag, 6. Mai 2010, 18 – 22 Uhr

2. konzert vom albert um 21h in der pratersauna:
http://www.jennyfair.at/

3. finally die finissage von der sofia
Do., 6.05.2010, (Beginn 22h)
Sofia Goscinski
Finissage – Intervention der Künstlerin
Rejection
Selector Alois Bernsteiner

Das nenne ich Service vom feinsten! Da kann ja nichts mehr schief gehen…

Für die erste Station bin ich allerdings schon zu spät. Also auf zur 2. Destination in die Pratersauna. Ich hab zwar keine Ahnung, wer Albert ist, aber das interessiert schließlich erstens keine Sau keinen großen Geist und die Pratersauna, ehemalige Rudelbumssauna in Babystrichnähe oder formaly inspeak ausgedrückt sweat’n’bang wellness center, zählt ja bekanntlich seit letztem Jahr zu den angesagtesten Newcomern der Underground und Clubszene der Stadt. Was kann da schon schief gehen?

Als ich kurz nach 22h dort ankomme, stelle ich beruhigt fest: Es hat sich nichts geändert. Konzerte beginnen noch immer zuverlässig pünktlich mindestens 1,5h später als angesagt. Wie oft habe ich Lokale deshalb nicht schon tödlich gelangweilt vor dem ersten Akkord verlassen? Heute komme ich gerade recht zu einem gemächlichen Rundgang mit dem einen oder anderen Kopfnicken und Smalltalk Plausch, bevor Albert loslegt. Aber dann legt er los!

Ich weiß noch immer nicht, wer von den beiden auf der Bühne Albert ist, aber es folgt eine elegant brachialdisharmonische Abfolge an Tinitustonfolgen in Mur und Doll, die mich entfernt an eine Mischung aus 80er Jahre Underground experimental Punk und einen Hauch Einstürzende Neubauten erinnert. Die zwei sehen auch aus, als hätten sie ihre besten Jahre auf solchen Partys ausgesessen. Während Albert rechts mit seiner E-Gitarre eine Schreibtischlampe malträtiert, hat Albert links seine helle Freude an Rückkoppelungseffekten, die er mit seinem Saxophon in Boxennähe erzeugt. Ich suche mir langsam den am weitest entferntesten Platz im Club, während mir die Frage „Ist das Kunst oder kann das weg?“ nicht aus dem Kopf geht. Verräterisch entlarvt stehe ich da und blicke meiner reaktionären Spießerseele ins Antlitz, die da bar jeglichen Kunstverständnisses auf das Ende der Qualen wartet. Danke Albert, es tut weh…

Immerhin verlasse ich kurz danach den angesagtesten Club der Stadt mit der heiteren Erkenntnis, nicht allzuviel zu verpassen, wenn ich mir eingezwängt im Arbeitsalltag die Nächte meist nur langweilig kuschelig im Bett vertreibe.

Danke, Albert!

Advertisements

5 Kommentare to “Danke, Albert!”

  1. ok, danke jouli! 🙂

  2. Eine gewisse Portion „reaktionäre Spießerseele“ ist ganz gesund, sonst verliert man seine Urteilskraft. Es gibt, Albert, auch „sauren Kitsch“…

    Ich hoffe, den Ohren gehts wider besser?

    Danke für den Spruch: „Ist das Kunst oder kann das weg?“ – es gibt da nämlich schon einiges, auch im öffentlichen Raum, das da mal einer wegmachen könnte…

  3. Wie war die Finissage?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: