Mein rechter, rechter Platz ist frei …

Der gewöhnliche austriacus mediterraneus ist schon ein armer Hund, wenn ihm die Lust auf Meer packt. Als seichte Ersatzdroge bietet sich da nur der schlammig braune Neusiedlersee an. Na gut, dafür reicht es in den Zug vor der Haustür zu steigen und 60km nach Osten zu fahren, dafür nehm ich doch gern alle meine Phantasie zusammen und halte so einen Steppensee für den reinsten Ozean.

                                                        Hauptsache verboten!

Ich setz mich ans Ufer und sehe zu den Nachbarn am anderen Ende des Sees rüber. Da drüben, da wo nichts mehr Meer ist, dort ist Ungarn. Die massiven Gewitterwolken über mir wirken symbolisch für das, was sich am anderen Ende des Horizonts gerade ereignet: Ungarn wählt.

Am Ende dieses Tages wird sich das Land nicht nur auf der Landkarte weit rechts von uns befinden. Fast 3/4 des Landes sehen ihre Optionen nur mehr zwischen fast rechtsradikal bis ohne Zweifel rechtsextrem. Die Krise hat Ungarn schwer geschüttelt, die Sozis an der Macht werden teils verdient, teils willkürlich abgestraft und Fidesz braucht nicht mehr zu tun, als die Hand aufzuhalten und Wahlstimmen einzusacken. Wen kümmerts, dass die Partei außer einem narzistischen Personenkult und einer Handvoll markiger Sprüchlein eigentlich nur mit vollständiger Lösungsabstinenz glänzt? 52,73% zumindest mal nicht. Und weiteren 16,67% sind die Sprüchlein offenbar noch immer nicht geschmacklos genug. Armes Ungarn …

                                                        Entente am rechten Rand?

Doch – was soll schon passieren? Solange nicht die Katastrophe eintritt und Orbán im Größenwahn die Grenzen der Demokratie aufhebt nicht mehr, als eine traurige Epoche in der Geschichte unserer Nachbarn. Bei der nächsten Wahl wird rechts abgestraft und das Pendel wieder nach links ausschlagen. Zu festgefahren ist der Karren, welchen Spielraum hat die Politik da schon? Ein paar Posten schachern, ein paar Gesetze verbrechen … der Rest wird von der Wirtschaft gesteuert. Da reduziert sich jegliches Coleur auf reine Kosmetik und die Wahlstimme auf eine symbolische Aussage. Die aktuelle ungarische Kosmetikindustrie riecht halt ein wenig streng …

                                                        Da brat mir einer nen Jobbik!

Advertisements

7 Kommentare to “Mein rechter, rechter Platz ist frei …”

  1. Auch schon schlimm genug, aber wenn’s wenigstens nur ein Schwarzstorch wäre.

  2. Leider reicht es nur in Tagen des Flugverbots wegen Vulkanasche aus, einen ordentlichen See oder die Alpenostseite zwischen sich selber und „den anderen“ zu haben…
    Wenn ich mich hier in meiner Umgebung umschaue, bekomme ich oft auch große Sorgen und da hilft keine Vulkanasche.
    Wunderbar geschrieben und auf den Punkt gebracht *seufz*

  3. Gar nicht so schlecht, dass der See dazwischen ist, hm?

  4. Hier, Da & Dort
    Gestern,Heute & Morgen
    Vision, Horror & Wirklichkeit
    – in Jouscher Manier wunderbar montiert.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: