Parallelmodewelten

Kürzlich ertappte ich mich bei der Frage: „Hmmm, sollte ich mir nun lieber diesen Slip kaufen oder doch besser Urlaub auf Hawaii nehmen?„. Abwegig? Nicht, wenn man in Mailand auf Shopping Tour ist. Nun könnte man meinen, für Mittelklasseverdiener muss eine Shoppingtour in Mailand nur dann ein Vergnügen sein, wenn man auch sonst einen gewissen Hang zum Masochismus verspürt. Mitnichten! Es gibt kaum einen besseren Platz, um nach einem ausgiebigen Boutique&Shoeshop Marathon mit dem erquickenden Gefühl heimzukommen zigtausend Euro reicher zu sein.



Mailand, die Stadt in der Schuhgeschäfte wie Kathedralen aussehen und kleine Kirchen wie Abstellkammern, machts möglich!

Das liegt an der illustren Mischung betörend hässlicher Nobelmarken zu unverschämt hohen Preisen. Beispiel gefällig? Na gehen wirs mal langsam an:

Hm - soll ich mir dieses Magarita Höschen samt güldnen Herzgürtel kaufen?

Och nö - zu hässlich! Heissa, schon wieder 500 Flocken gespart!

Meine Stimmung hellt sich von Schaufenster zu Schaufenster immer mehr auf. Keine Schlepperei, das Bauchgefühl nur mehr zwei Häuserblocks vom Lotto Sechser entfernt und prächtige Shoparchitektur fürs Auge. So gefällt mir das…

Haute Couture Schürzchen um 1040.-?
Und wieviel ist diese Geschmacksverwirrung wert?

Während ich so durch die Straßen der Reichen wandere, frage ich mich bei einigen Stücken ernsthaft, ob sich dafür tatsächlich Käuferinnen finden, die fluffig 2 Monatsmieten für einen Hauch ästhetische Diarrhoe hinlegen. Oder bin ich bloß Opfer meines Prollgeschmacks?
Weiter zu denken wage ich garnicht, ich könnte in ohnmächtige Wut verfallen, wenn mir in den Sinn kommt, wieviele Menschen ihre Familien wochenlang durchbringen müssen mit dem Geld für ein Paar Pantöffelchen …

Der Dolce & Gabbana Shop an der nächsten Ecke nimmt meine Überlegungen mit einem gewissen Galgenhumor auf. Mit riesigen Madonna-Sujets wird für simple Baumwoll T-Shirts geworben. Wenn ich die Werbebotschaft richtig interpretiere, muss sogar Madonna ihr dreckiges Geschirr künftig selbst waschen, nachdem sie diesen Laden betreten hat.

Was sind schon Spülhände in einem D&G Shirt?

Nun denn, mich hat der Ausflug amüsiert. Nun leiste ich mir noch eine Pizza zum Abendessen und schick die ganzen Dior/Versace/Armani/Prada/Dolce&Gabbana/Gucci/Channel/Vuitton/YvesSaintLaurent/Fendi/Valentino/Ferre – Jünger kaltlächelnd zum Teufel (der ja neuerdings auch Prada trägt).

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19 Responses to “Parallelmodewelten”

  1. Seltsame Skulpturen auf dem untersten Bild: Sie erinnern irgendwie an Schuhe. Zwar nicht für irdische Menschenfüße gemacht (das sieht man ja gleich), aber doch irgendwie entfernt ähnlich.

  2. Ich möchte auch. Damit wird auch der Kleiderschrank, das schwierigste aller Möbelstücke, obsolet. Über die Züricher NBahnhofsstraße mag ich gar nichts kommen lassen. Wenn mich miene Erinnerung nicht trügt, gibt es dort Sprüngli und damit die besten Luxemburgerli der Welt.

  3. Ja,ja – ein Bummel durch das goldene Dreieck von Milano tut immer wieder gut. Man kann sich wirklich darüber freuen, dass man kein Millionario sein muss und sich an den normalen Dingen des Lebens freuen.

    Andererseits: Jou, Du in diesen Highheels, das möchte ich doch mal gerne sehen,zum Beispiel auf einer Knöchel-Teststrecke mit vielen fiesen Pflastersteinen…

  4. „betörend hässlich“, herrlich treffende Wortfindung.

  5. Ach Joulu, ich brauch noch einen neuen Anzug für den Abiball. Magst Du nicht noch mal geschwind nach Mailand…?

    • Ach Heinrich, wieso in die Ferne schweifen…

      • Stimmt. Wozu gibt es Internetversand? 😉
        Die Sache mit Madonna ist aber tatsächlich sehr interessant. Wann sie wohl das letzte Mal abgewaschen hat? Ob der Begriff „Spülhand“ überhaupt noch in ihrem Wortschatz existiert? Na ja, Hauptsache chic schaut sie dabei aus…

  6. Ich glaube, auf der Züricher Bahnhofsstraße kannst du locker ein Vielfaches sparen. Und ich bin ja froh für dich, dass du dir keinen solchen teueren Fummel zugelegt hast, das Olivenöl hätte dem bestimmt nicht gut bekommen.

    • Stimmt, aber dann hätte ich auch jede Schadenfreude verdient.

      Und auf der Bahnhofsstrasse haben mein Sohn und ich vor 3 Jahren einen ähnlich amüsanten Einkaufsbummel gemacht. Das ist aber mehr Mailands Modewelt mit Gewicht auf Schmuck und Uhren.

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