Weihnachten auf isländisch

2009 stand für mich im Zeichen der wunderlichen Insel, die da oben nun im Dauerdunkel liegt. Hin und wieder durchziehen fantastische Nordlichter das Firmament, grad so, als wollten isländische Geister ihre Visuals in den Winterhimmel projezieren.
Die Zeit in diesen langen Nächten tot zu schlagen ist eine Herausforderung. Wen wunderts da, dass sich isländische Kinder nicht bloß mit einem Christkind zufriedengeben? 13 fiese kleine Jólasveinar (Weihnachtszwerge) müssen es sein. Der Legende nach sind sie die missratenen Söhne der kinderfressenden Hexe Grýla und ihres schrecklich faulen Gatten Leppalúði, die in den isländischen Bergen wohnen. Zu diesem freundlichen Haushalt gehört auch noch Jólaköttur, die Weihnachtskatze, die mit Vorliebe jene Isländer frißt, die die Wolle des Herbstes nicht fristgerecht verarbeitet haben.
Beginnend mit dem 12. Dezember erscheint jeden Tag ein neuer der kleinen Kerle bis zum 24. Und dann verschwinden sie wieder in der selben Reihenfolge bis zum 6. Jänner. Die alte Legende der Weihnachtszwerge wird noch immer gehegt und gepflegt. Das grausame Image der Jólasveinar hat sich dabei aber mit der Zeit verändert. Heute geben sie den Kindern vorrangig Gelegenheit Streiche auszuhecken und sie dann ganz unschuldig den Zwergen in die Schuhe zu schieben.

Den Auftakt des Weihnachtsreigen macht Stekkjastaur. Der kleine Wicht wird als etwas hölzern und unbeweglich beschrieben. Mit Vorliebe zieht er die Haustiere am Schwanz und treibt Schabernack mit den Schafen im Stall. Stekkjastaur bleibt vom 12. bis zum 25. Dezember.

Ihm folgt vom 13. bis 26. Giljagaur, der Milchrahmdieb. Er kennt jeden Trick, um die Bäuerin abzulenken und ihr den fetten Schaum, der sich beim Melken auf der Milch bildet zu stibitzen.

Am 14. taucht Stúfur auf, der kleinste der hinterlistigen Brüder. Er ist dafür bekannt unbemerkt die Pfannen auszuschlecken. Bis zum 27.12. muss Stúfur drauf schauen sich einen schönen kleinen Kugelbauch anzufuttern.

Vom 15. bis zum 28. Dezember treibt Þvörusleikir, der Kochlöffelschlecker, sein Unwesen. Er wird als spindeldürr und ein wenig schmutzig beschrieben und manchmal hört man sein Wehklagen, wenn er sich beim Kellenlecken das Maul verbrannt hat.

Und wer die kleinen Weihnachtszwerge mittlerweile der Gefräßigkeit verdächtigt, wird von Pottasleikir bestätigt. Der kümmert sich nun um die Töpfe – und ist dabei so gierig, dass er manchmal sogar Löcher im Topf hinterlässt. Pottasleikir treibt sein Unwesen vom 16. bis 29.12.

Für Askasleikir, der die isländischen Familien vom 17. bis 30. heimsucht, bleiben heutzutage nur mehr das Futter der Haustiere. Er versteckt sich unter dem Bett bis alle fest schlafen, dann schnappt er sich die Fressnäpfe, futtert sie leer und lässt sie an den unmöglichsten Plätzen wieder auftauchen.

Am besten gefällt mir Hurðaskellir. Der kleine Strolch hat eine Vorliebe für Türen, die gibt es in seiner Welt nämlich nicht. Wenn also zwischen 18. und 31. nächtens Türen zugeknallt werden, wars er!

Heute ist Skyrgámur gekommen. Das Leckermaul liebt das isländische Topfendessert, Skyr, über alles. Er ist erst glücklich, wenn er sich am Neujahrstag mit Zuckerschock verkrümeln kann.

Morgen kommt dann Bjúgnakrækir, der Würstedieb. Er ist ein hervorragender Kletterer, bis zum 2. Jänner holt sich seine Wurst auch noch vom höchsten Dachbalken.

Gluggagægir, der vom 20. Dezember bis 3. Jänner auftaucht, ist ein kleiner neugieriger Spanner, aber ansonsten recht harmlos. Er guckt nur zu gern durchs Fenster, zieht Grimassen und erschreckt die Kinder.

3 Tage vor Weihnachten taucht der Türschlitzschnüffler Gáttaþefur auf. Jetzt wird nämlich das leckere isländische Laubbrot gebacken und das hats ihm angetan. Bis zum 4. Jänner bleibt kein Krümel mehr davon übrig.

Ein ganz übler Kerl ist Ketkrókur, der angelt sich am Vorweihnachtstag den Lammschinken durch den Schornstein.

Und der letzte im Bunde ist Kertasníkir, der Kerzenschnorrer. Vom 24.12. bis 6. Jänner heißts also genügend Kerzen im Haus zu haben.

In diesem Sinne: Geðileg jól!

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6 Responses to “Weihnachten auf isländisch”

  1. Ich werde den Verdacht nicht los, daß die isländische Alltagsmythologie bzw. – spiritualität eine Menge mit Spirituosen zu tun hat.
    Aber danke für die tadellose Information: Wieder was gelernt! Dreizehn Weihnachtszwerge! Ihre Namen und ihre Ressorts!

    – Mich erinnern sie eher an die Protagonisten der neuen schwarz-gelben Koalition bei uns daheim.

  2. der kleinste der hinterlistigen brüder, nummer 14, erinnert an die synchronfassung von pulp fiction, nicht nur wegen des kugelbauchs ..

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