Archive for November, 2009

Dienstag, 24. November 2009

Heute in Wien, 24.11.09

read more »

Sonntag, 22. November 2009

Das Ende der Enzis

Eine der schönsten Wiener Erfindungen dieses Jahrhunderts heißt Enzi.

Enzis sind das Vorzeigeprodukt einer Generation Lego spielender Kinder, die heranwachsen und groß werden, Architektur o.ä. studieren und im Laufe der Jahre dabei auf eines nicht vergessen: auf ihre Bauklötze. Die sollen mitwachsen. So stell ich mir die Geburt der Enzis vor. Genauere Auskünfte bitte ich aber lieber bei Anna Popelka und Georg Poduschka, kurz PPAG bzw. Mama und Papa Enzi, einzuholen.

 

(c) Wassily

 

Jedes Jahr verpassen die Wiener ihren Enzis  ein neues Kleid. Blau, grün, rosa, gelb. Jedes Frühjahr schön basisdemokratisch im Internet gevotet. Dann weiß der Wiener und die Wienerin: der Sommer naht!

2009 war sommersonnengelb.

Aber nicht nur zum drauf rumlümmeln ist ein Enzi gut. Er verwandelt sich wie Barbapapa zu Bühnen und Laufstegen und jeden Winter in einen schönen großen Eispalast zum Punschausschank.

7 Leben hat der Enzi.

Das wissen wir aber erst seit letzter Woche. Denn da stand eines morgens der Eispalast in Flammen. Das kleine Schwarze war Enzis letztes Kleid. Eine willkürliche Wahl …

R.I.P, lieber Enzi!

Aus dem Soundmobil tönt nicht mal mehr ein Trauermarsch. Es leidet still mit und weint polymere Tränen …

 

Enzis Freund und Begleiter in guten wie in schlechten Zeiten

Es wird wohl ein stiller Winter 09. Doch spätestens nächsten Sommer bestehe ich auf eine Wiederauferstehung. Jawoll!

 

Samstag, 21. November 2009

Heute in Wien, 21.11.09

Freitag, 20. November 2009

Heute in Wien, 20.11.09

Donnerstag, 19. November 2009

Heute in Wien, 19.11.09

Dienstag, 17. November 2009

Heute in Wien, 17.11.09

read more »

Sonntag, 15. November 2009

Wiener Sch***weiber und ihre Ausnahmen

Es ist wieder so weit. Wir stehen am Anfang der langen dunklen Phase. Und damit wird auch die Sauna wieder zum Zentrum der Joulschen Wochenendfreuden. Die schönste städtische Damensauna Wiens befindet sich im Amalienbad im Herzen des 10. Hiebs, dem klassischen Arbeiterbezirk Favoriten. Heimat des legendären Vorzeigeproleten Mundl:

Sauna, ein Ort der Ruhe und Erholung. Vorraussetzung dafür ist jedoch ein Diplom im Weghören. Denn in der Sauna lässt die Besucherin nicht nur die äußerlichen Hüllen fallen, auch jegliche innere moralische Schranke wird freizügig abgebaut. Zerebraler Fäkalienausfluß quasi Teil der Kneippschen Kur.

Da beginnt man locker flockig damit, die heute nicht anwesende Saunabekannte nach Herzen auszustalieren und ihr Liebesleben zwischen erstem und zweiten Aufguss mit Honig-Fichte-Eukalyptus Duftnote aufs pikanteste zu sezieren und geht nach dem Kaltbecken nahtlos dazu über Kinder zu beschimpfen und die Saunabediensteten zu tyrannisieren. Dann wird noch über die behinderte Dame im Infrarotkammerl gelästert, weil es ist ja gut und schön, dass sie behindert ist, aber so deppat muss sa se a ned anstöhn. Dann die „Früher war sowieso alles besser“ Leier. Und zu guter letzt trifft man sich zielsicher beim Lieblingsthema Nummer 1: die Ausländer!

O-Ton gestern:

„Jetzt scho wieda diese Arigona. A so a Gsindel. Warum geht de ned afoch ham und losst uns in Rua?“

Ja, warum wohl? Dass Arigonas „Daheim“ dabei das oberösterreichischen Frankenburg ist, in dem sie und ihre Geschwister voll integriert aufgewachsen sind, scheinen die Selbstherrlichkeiten dabei großzügig auszublenden.

„Genau! Und jetzt drohts a no mit Selbstmord, des Flitscherl. Na, sois do, sois! Is eh de erste gute Idee, die de hot!“

Und damit haben die honorigen Damen, die die Krone Ausgaben seit 1972 im Schlaf rezitieren können, aber von den Menschenrechten offensichtlich nicht mal die ersten 3 Grundsätze erahnen, meine Geduld für heute endgültig überstrapaziert. So viel menschenverachtenden Hass und Gift ertrag ich nicht und verlasse türeknallend die Institution der Ruhe und Erholung.  Jetzt geht den Damen zumindest der Gesprächston für heute nicht aus.

Es läßt sich nicht mehr leugnen, Wien versinkt im übelsten Stammtischniveau. In solchen Momenten rettet mich nur der Gedanke an die Ausnahmen dieser gesellschaftlich völlig akzeptierten Herz- und Gedankenlosigkeit vor dem Schritt, lieber selbst zur Ausländerin zu werden. Ausnahmen wie Ute Bock.

Ute Bock. Eine ältere Dame, wie sie hier in der Pensionistenstadt Wien haufenweise anzutreffen ist. Klassische graue Dauerwelle, klassischer Wollrock, klassische Bluse, klassische beige Strümpfe in klassischen Altdamenschuhen, hierzulande Hammerlschuh genannt. Äußerlich von den Damen typus Amalienbadsauna nicht zu unterscheiden. Angezogen versteht sich, denn nackt wird man Ute Bock in solchen Etablissements nicht antreffen. Dafür hat sie keine Zeit, denn sie arbeitet unermüdlich in ihrem Flüchtlingsverein, 7 Tage die Woche, von früh bis spät in die Nacht. Aus eigener Tasche finanzierte sie anfangs sogar unzählige Wohngemeinschaften, um Asylanten ein Dach über den Kopf und den für jeden Amtsweg notwendigen Meldezettel zu besorgen.

In ihrem Wartezimmer ein nie versiegender Strom an hilfesuchenden Asylanten. Schwangere Frauen, für die sich Frau Bock stundenlang ans Telefon hängt, um eine Unterkunft für sie zu finden. Ohne Ute würden sie auf der kalten Straße übernachten müssen. Und Frau Damensauna würde mit verbittert heruntergezogenen Mundwinkeln über sie hinwegsteigen. Afrikanischen Flüchtlingen geleitet Frau Bock durch die Wirren der Amtswege und trichtert ihnen streng ein zu den polizeilichen Terminen zu erscheinen. Sie ist das menschgewordene TomTom für die von der Gesellschaft Geächteten und Vergessenen durch die minimalen gesetzlichen Möglichkeiten, die für sie vorgesehen sind.

Ute Bock macht das freiwillig. Sie macht das, weil man diese Menschen nicht einfach hilflos ihren Schicksal überlassen kann. Sie macht das, weil sie es als ihre menschliche Pflicht erachtet, nicht wegzuschauen und anzupacken, wo es was zu tun gibt. Der alltägliche Lohn dafür sind die „anständigen“ Menschen, die sie für ihr Engagement beschimpfen, aber auch einige hundert Afrikaner, die sie liebevoll Mama Ute nennen.

Ute Bock müsste nicht bis zur Selbstaufgabe arbeiten, wenn der Staat seinen Pflichten nachkäme. Sie könnte sich auch ihrem wohlverdienten Ruhestand widmen, wenn wir alle etwas mehr aufeinander schauen würden. Im Künstlerhauskino nach der Premiere der Dokumentation „Bock for President“ drückt sie es mit diesen Worten aus: „Nach dem Krieg ist des doch auch gegangen. Da haben die Leute auch zusammengehalten und keiner hat gefragt ‚Woher kommst Du?‘. I was ned, warum das jetzt nicht mehr gehen soll. Jetzt, wo es uns gut geht.

Danke Ute!

Ute Bock
A-1020 Wien :: Große Sperlgasse 4
+43 1 929 24 24 – 24
info@fraubock.at
www.fraubock.at

Samstag, 7. November 2009

Janusmutter

Ich habe zwei Mütter. Eine ist ein liebens- wie bedauernswertes Geschöpf, eine Frau, die emotional irgendwo mit 13 hängengeblieben ist. Die mit 62 noch einem kleinen Mädchen gleicht, wenn sie eingeschnappt mitten auf der Straße stehenbleibt, die Arme verschränkt und die Unterlippe vorschiebt und so stundenlang verharrt. Ein armes Tschopperl, das sich nichts zutraut (man hat ihr zu oft gesagt, sie sei für alles zu blöd), aber davon träumt und dafür lebt, für andere da zu sein. Das funktioniert blöderweise schlecht, wenn man nie gelernt hat, auf sich selbst aufzupassen … Eine Frau mit großem Herzen und einem kindlichen Gemüt. Mit einem freundlichen Lachen und einem guten Wort für Jeden.

read more »

Mittwoch, 4. November 2009

Der alltägliche Rassismusquotient …

U1. Heimfahrt nach einem der in letzter Zeit so unendlich frustrierenden Arbeitstage. Müde vertiefe ich mich in Klaus Manns Mephisto. Die Lektüre fesselt mich und hilft mir dabei die Umwelt versinken zu lassen.
Will niemanden sehen, für heute reichts.

ubahn2

– Nestroyplatz  –

… Menschen, die früher seine Schüler gewesen waren und nun in der Emigration oder verzweifelt in Deutschland saßen, wandten sich an ihn um Zuspruch und geistigen Rat. „Ihr Name bleibt für uns der Inbegriff eines anderen, besseren Deutschlands“ …

ubahn3

– Schwedenplatz –

… Solche Geständnisse und Treueschwüre las der Geheimrat halb mit Rührung, halb mit Bitterkeit. ‚Und all diese, die so empfinden und schreiben, haben mit-geduldet-mit-verschuldet, dass unser Land zu dem werden konnte, was es heute ist‘ …

ubahn1

– Stephansplatz –

Ein seltsam vertrauter Geruch steigt mir in die Nase. Das ist doch? Unverkennbar! Gras! Frisches würziges duftendes Gras! Verwirrt blicke ich um mich und treffe mitwissende und ebenso verwunderte Blicke so mancher Mitreisenden. An der Mimik meiner (tschetschenischen? russischen?) Sitznachbarn erkenne ich – auch sie haben den Ursprung der Duftwolke vor ihrem geistigen Auge. Ebenso viele andere. Schneidende Aufmerksamkeit liegt in der würzigen Luft. Blicke, die wissen und wissen wollen irren suchend und prüfend durch die U-Bahn und alle landen sie wie magisch angezogen … im Gesicht des Schwarzafrikaners schräg vis-a-vis.

Auch meine Blicke landen dort. Ich ertappe mich dabei. Scham und Wut überkommt mich. Schwarze Haut = Drogendealer? Wie vergiftet auch ich schon von Headlines und Hetzreden bin. Schleichend setzt es sich fest, das Gift, tröpfchenweise krallt es sich in den stolzen – ich steh da drüber, mir kann das nichts anhaben – Hinterkopf.
Ein Mensch ist ein Mensch ist ein Mensch!
Wie schwierig es ist, eine so lachhaft simple Tatsache zu verinnerlichen im Dunst des alles umgebenden Alltagsrassismus, geschwängert von tief verankerten und täglich frisch genährten Vorurteilen.
Es widert mich an!

– Karlsplatz –

Der Schwarzafrikaner hat es natürlich auch gerochen. Spürt er die Blicke, die auf ihm ruhen? Oder ist er das ohnehin gewohnt? Der gewöhnliche Alltag, dort, am anderen Ende der mal latenten, mal massiven, aber immer spürbaren Rassismusfront? Ja, er spürt sie. Doch wo ich Ohnmacht und Wut verspüre, breitet sich über sein Gesicht ein strahlendes Grinsen. „Wo-hoo! What a whole lot of Shit in the air!„, ruft er und spricht aus, was wissende und wissen wollende Blicke zu verheimlichen versuchen. Lachend steht er auf und verlässt den Wagon.

– Taubstummengasse –

mit-geduldet-mit-verschuldet …

Ein Platz ist leer. A whole lot of Shit liegt immer noch in der Luft. A whole lot of Shit bleibt auch ungemindert in unseren Hirnen. Wo ist bloß das Fenster, dass uns von diesem Geruch befreit?

Montag, 2. November 2009

Heute in Wien, 2.11.09

20091102