Pack die Badehose ein, …

Schotterteiche sind so wunderbar Retro. Sie erinnern an Familienausflüge in den 70ern, Gelsenstiche und Spannern im Wald. An Algen, die an den Beinen kitzeln und sich schüttelnde Hunde, die das Badetuch versauen und müchteln. Aber hey, das gehört dazu! Genauso wie Luftmatratze und Steine übers Wasser hüpfen lassen. Und Grillen, aber das beherrschen bei uns offenbar nur noch türkische Großfamilien so richtig.

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Bringt ein Film das Süßwasser Heimurlaubs Feeling schöner rüber, als Schwarze Katze, Weißer Kater? Na gut, Kusturicas Film trifft jetzt eher die Schotterteich Variante für Südländer. Aber darum gehts nicht, sondern um das Gefühl daheim in den Ferien zu sein:

Und kürzlich haben wir uns so einen Ausflug wieder gegönnt. Es ging an den Kirchentellinsfurter See, ein feiner idyllischer Badesee im Naturschutzgebiet Nahe Tübingen. Dort teilten wir uns unser Plätzchen am Seeufer mit Unmengen bildschöner Libellen, einer Schwanenfamilie, einem Kormoran und Gerda, der Hausdrachenente. Gerda hat es auf unsere Himbeertörtchen abgesehen – und auf unsere Zehen. Und sie war bei der Durchführung ihrer Pläne zäh und erfolgreich. Sie umzingelte uns, sie bedrohte uns, sie schlug beinhart zu. Gerda, die Killerente!

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Wenn Gerda mal kurzfristig von uns abließ, hatte ich Zeit die Libellen am See zu beobachten. Was für elegante Geschöpfe! Was für brillante Farben! Ich frage mich, wann es die ersten Libellen mit integrierter WebCam geben wird. Das gäbe so herrliche Action Filme, Matrix Natur.

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Die Hufeisenazurjungfer am K`furter See

Wohl bekomms!

Wohl bekomms!

Wie ein Pfeil ziehen sie vorbei, halten inne, wechseln blitzschnell die Richtung. Geschwindigkeiten bis zu 50km/h legen sie dabei hin. Es gibt sogar Libellenarten, die rückwärts fliegen können. Diese Flugkunststücke verdanken sie ihren voneinander unabhängig koordinierten Flügelpaaren. Doch dazu gehört natürlich nicht nur die sportliche Komponente, die würde auch keinen Sinn machen, wenn die Reaktionen hinterherhinkten. Dafür hat das schöne Tier ja aber nun sein prägnantes Köpfchen mit den großen Facettenaugen. Bis zu 30.000 Einzelaugen liegen darauf und denen entgeht nichts!

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Ihren Facettenaugen entgeht nichts

Überraschend eigentlich, dass mich das Insekt so nah an sich ran lässt. Im Gegensatz zu Gerda, lässt sich die Libelle durch das Handy kein bisschen bei ihrer Tätigkeit stören. Könnte daran liegen, dass ich gemessen an der Evolution für sie nur ein kleines, flüchtiges Übel bin. So wie diese Azurjungfer hier sitzt, saßen ihre Vorfahren schließlich schon vor 150 Millionen Jahren in der Kreidezeit da. Veränderungen fanden seither kaum mehr statt. Da kann man sich doch eine gewisse stoische Ruhe erlauben  …

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15 Kommentare to “Pack die Badehose ein, …”

  1. Was war das denn bitte für eine Handycam?

    Das sind ja unglaublich schöne Bilder, ich bin allerdings auch eine ausgesprochene Libellenfreundin.

    Das erste Foto gehört für mich in die Kategorie „genial“!

  2. Die Fotos sind super, wie immer und die Geschichte natürlich auch, ich kann nur noch beisteuern, dass die Kiesgrube in meiner Studentengedankenschublade gespeichert ist.

  3. Schön und lehrreich. Ist die Kindheit nicht das Paradies der frühen Jahre?

  4. die gans, die sich dem tiger in den weg stellt, der einen moment zögert und dann zum schlag ausholt.. die ökonomie des erzählens oder wie ich beinah schriftsteller wurde. ja, hubschrauber sind faszinierende wesen..

  5. Ich weiß nicht, über was ich zuerst und mehr Staunen soll:

    die freche Mopsente Gerda,
    die wundervolle Libelle
    oder die Tatsache, dass du auch diese grandiosen Bilder mit einer Handycam gemacht hast.

  6. … und kleine Mädchen in Libellenbadeanzügen. Bildlich wie textlich ein schöner Sommerabgesang — ich zumindest las das schon wieder in Wollsocken.

    • Tatsächlich? Oje, ich konnte mir heute noch mal das Vergnügen gönnen 2 Stunde in der Sonne im Park zu liegen und zu lesen. Könnte das letzte Mal gewesen sein? Obwohl, nach dem nassen Sommer hätten wir uns eigentlich schon noch einen sonnigen September verdient.

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