Reykjavik meets Gundelfingen

perlan_aussichtReykjavik, du eigenwillige Stadt in glasklarer Luft, da sind wir wieder! Ich komme gerne wieder an Orte zurück, an denen ich schon war. Das Gefühl sich schon ein wenig heimisch zu fühlen, zielsicher durch die Straßen zu wandern, mit dem Geist der Stadt schon vertraut zu sein und doch wieder Neues entdecken. Oft erst auf den zweiten Blick.

Einen Punkt, den wir alle noch sehen wollen, ist Perlan. Die Perle Reykjaviks. Mit ihrer imposanten Glaskuppel steht sie auf dem Hügel Öskjuhliđ einem Palast gleich über der Stadt und blickt auf die Rauchbucht herab. Der „Palast“ ist jedoch im Grunde bloß ein Wasserspeicher.  Den heißen Quellen wurde mit diesem Gebäude ein postmodernes Monument erschaffen, wie es seinesgleichen sucht. Untypisch eigentlich für den sonst so stoisch bescheidenen Understatmentstil der Isländer. Doch die Hochachtung, die dem größten Naturschatz der Insel entgegengebracht wird, ist berechtigt.

Perlan - Perle Reykjaviks

Perlan - Perle Reykjaviks

Natürlich hat die Bevölkerung Islands ihre heißen Quellen seit jeher praktisch genutzt. Wäsche gewaschen wurde zum Beispiel direkt im heißen Fluß.  Doch erst 1927 wurde bei der Versammlung des Verbandes isländischer Ingenieure der Grundstein für eine flächendeckende Heißwasserversorgung Reykjaviks gelegt. Darauf ging es Schlag auf Schlag – das erste Gebäude, eine Schule, war 3 Jahre später mit geothermaler Fernheizung versorgt, 1933 waren es schon 60 Häuser, 1936 hatte bereits jeder 4. Haushalt Reykjaviks das neue Heizsystem beantragt. Ein kolossaler Erfolg, der schlußendlich in Perlan gipfelte.

perlan2perlan_wendltreppe

Heute versorgt Perlan ganz Reykjavik und Umgebung. Durch die Höhenlage wird das heiße Wasser ohne Pumpen durch Rohre geleitet, die nebstbei gleich als Gehsteigbodenheizung im Winter dient. Wasser gibts im Überfluß, heizen ist also denkbar billig in Island. Schön dokumentiert wurde das kürzlich in einem Film über den Bankrott Islands, in der ein Familienvater interviewed wurde, dem mitten im Winter das Geld für den Hausbau ausging. Fröhlich saß die Familien dabei kurzärmelig im Wohnzimmer ohne Fenster, die Heizkörper auf voller Leistung aufgedreht. Die Frage nach den Heizkosten kostete den Isländer dabei nur ein amüsiertes Lachen. Heizkosten? Die sind nicht das Problem, bloß der Wind ist lästig.

Allzu sorglos sollten die Isländer trotzdem nicht mit ihren Ressourcen umgehen. Auch die gehen irgendwann zu Neige…

perlan_kuppel_innen2Aber zurück zur la Perla – Die alten Heißwassertanks sollten in den 80ern renoviert werden. Sie wurden auf 6 Tanks mit dem sagenhaften  Fassungsvermögen von je 4 Millionen Litern Thermalwasser reduziert und nach den Plänen Ingimundur Sveinsson 1991 zu einem Mehrzweckgebäude umfunktioniert. Unter der Glaskuppel befindet sich ein drehbares Gourmetrestaurant, eine Cafeteria, ein Wintergarten, Ausstellungsfläche für Dauer und Wanderausstellungen, ein Saga Museum, für das ein Tank trocken gelegt wurde und in der Halle sprüht alle 5 Minuten ein künstlicher Geysir zur Kuppel.

Perlan ist jedoch in seiner sehr offenen, lichtdurchfluteten Architektur nicht nur sehens-, sondern durch technische Raffiness (37km Soundkabel!) auch hörenswert. Für die einzigartige Akkustik gabs 1993 den Golden Ear Award.

Die Gundelfinger Kuppel

Die Gundelfinger Kuppel

Der wirkliche Blickfang und Namensgeber des Wasserspeichers, ist aber natürlich die 13m hohe Stahl-Glaskuppel mit einem Durchmesser von 39m. Die reflektierenden Glasplatten werden durch ein Netzwerk hohler Stahlträgern verbunden, durch die, je nach Jahreszeit, kaltes oder warmes Wasser fließt. Außerdem filtern die Glasplatten das Sonnenlichtes. Auf die Art wird die Innentemperatur und Beleuchtung Perlans reguliert.
Diese raffinierte Konstruktion wurde übrigens von der Firma Gartner aus Gundelfingen konzipiert, in Einzelteilen angeliefert und vor Ort zusammengeschweißt. Eine Leistung, die dem Familienbetrieb, der als kleine bayrische Schlosserwerkstatt 1886 das Licht der Welt erblickte, meinen ganzen Respekt abverlangt. Für Gartner selbst jedoch ein kleiner Fisch, offenbar nicht einmal wert auf ihrer Homepage als Referenz genannt zu werden. Na gut, die bescheidene Liste reicht ja auch nur vom Museum of Modern Art in New York, über das Merzedes Benz Museum in Stuttgart bis zum Broadgate Tower in London …

http://www.perlan.is/

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6 Kommentare to “Reykjavik meets Gundelfingen”

  1. foto 2 signalisiert eine gewisse fortpflanzungsverhinderungsgarantie & das erste, große, steckt voller nahrung & die gundelfinger kuppel viertelt den traum in zwei hälften..

  2. Also das zweite GROSSE Foto mein ich, und ich glaub, es hängt mit Prof. Freuds „Traumdeutung“ zusammen (s. u. „Treppen“, „Hauseingänge“ etc.!)

  3. Foto Nr. 2 finde ich, ich weiß nicht genau, warum, irgendwie sexy…

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