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Donnerstag, 16. Juli 2009

Krankenverunsichert

Zur Zeit bleibt mir null Zeit für mein Lieblingshobby, nämlich dieser Blog. An den Ecken sammeln sich schon Spinnweben, das Headerbild total verstaubt, es ist ein Jammer.

Und warum? Die Bürokratie hat mich umzingelt. Die riechen das irgendwie, wenn Kinder großjährig werden und schlagen dann beinhart zu. Von allen Seiten gleichzeitig. Alimente gestrichen (als ob sich was an der finanziellen Abhängigkeit ändert, bloß weil einer Geburtstag hat), Familienbeihilfe muss verlängert werden (Formulare, Nachweise und viel Geduld), damit stellt auch die Firma die Familienzulage ein und schwupps steht man mit 600 Flocken weniger im Monat da. Na ja, wäre da nicht meine Beamtenphobie (die mich im Leben schon auf viel Geld verzichten ließ, bloß um meine Nerven zu schonen), ließe sich das schon machen.

Gereicht hats mir dann eigentlich erst vor zwei Tagen. Als mir mein Sohn erzählte, dass sein Arzt ihm wieder heim geschickt hat – er wäre nämlich nicht mehr versichert. Wie? Was? Wieso weiß ich nichts davon?? Ein etwas gedämpftes E-mail an die Wiener Gebietskrankenkassa später war ich schlauer -> Keine Familienbeihilfe, keine Versicherung. E Basta. Dass die Bearbeitung vom Finanzamt dabei 3 bis 4 Wochen dauert ist ja wurscht. Und hallo, wie wärs mit einer Benachrichtigung?

Eine Verständigung der Abmeldung ist Seitens der Wiener Gebietskrankenkasse nicht vorgesehen, nur auf Anfrage!

Mit freundlichen Grüßen
xxx yyy
Wiener Gebietskrankenkasse
Abteilung Bezirkstellen
Versichertenevidenz

Sehr geehrte Frau xxx yyy,

Wenn ich Sie richtig verstehe, ist die Kenntnis darüber, ob man krankenversichert ist oder nicht, keine Bring- sondern eine Holschuld? In der Praxis bedeutet das, dass man sich nie sicher sein kann, versichert zu sein. Ein Zustand, der wortwörtlich ver’un’sichert. Wenn ich nun heute einen Unfall habe und z.B. einfach nur das Pech, dass mein Arbeitgeber mich versehentlich oder unrechtmäßig abgemeldet hat, liege ich im Spital, bin nicht versichert und schon garnicht in der Lage mich um derartige Probleme zu kümmern. Wenn ich dem vorbeugen möchte, bin ich gezwungen, lästig zu sein und täglich ein Anfrage-Mail zu schicken, ob mein Sohn und ich noch versichert sind.
Mir ist klar, dass nicht Sie sich solche Bestimmungen ausdenken, aber sagen Sie selbst: Ist das nicht kontraproduktiv?

Mit freundlichen Grüßen,
aaa bbb

Nur mal so zur Veranschaulichung: Eine Rettungsfahrt und ein Spitalstag kostet einen durchschnittlichen Monatsgehalt (also ~1500.- Euro). Wenn der Patient vor Mitternacht eingeliefert wird, werden gleich 2 Tage verrechnet. Und da sind noch keine aufwendigen Behandlungen inkludiert, kein Beinbruch o.ä., von Operationen ganz zu schweigen. Eine Horrorvorstellung, unversichert einen Unfall zu haben und sein halbes Leben lang dann dafür zahlen zu müssen. Und nur, weil ein Brief zu aufwendig war …

Aber wie auch immer – eine Abmeldung kann aus den verschiedensten Gründen geschehen. Irrtümlich oder bewußt.
Die Volksanwaltschaft kann schließlich auch ein Lied von Arbeitgebern singen, die Arbeitnehmer zeitweise nicht angemeldet haben. Ein böses Erwachen. Vor allem, wenn in der Zwischenzeit Konkurs angemeldet bzw. die temporäre Abmeldung garnicht bemerkt wird, eben weil der Versicherungsnehmer keine Information darüber erhält.

Im 21. Jahrhundert soll so etwas ja sogar schon ziemlich unspektakulär per automatischen E-Mail Versand möglich sein. Das Finanzamt schafft das mittlerweile übrigens auch.

All right … ich ziehe also meine Schlüße und verschicke ab nun meine tägliche Anfrage an die Krankenkassa. Und das würde ich auch jedem empfehlen, der wirklich wissen möchte, ob er bei der WGKK versichert ist…