Neuseeland am Donauufer

Überraschend International waren die letzten Tage. Manchmal lässt sichs so einfach auf Reisen gehen, dass man sich garnicht von der Heimatstadt wegbewegen muss.

Das verdanke ich in erster Linie der netten Bekanntschaft Kats, einer jungen deutsch/neuseeländischen Klimaforscherin, die zur Zeit auf der Geologenkonferenz in Wien verweilt. Der Zufall trieb mich an ihren Tisch auf der Sonnenterasse des Kunsthallen Cafés und wir kamen so unvermittelt und unkompliziert ins Gespräch, dass wir den Abend spontan beim Picknick am Kaiserwasser mit Rotwein und Käse vom Naschmarkt ausklingen ließen.

In Kats Erzählungen tauchte ich ein in eine Welt am anderen Ende der Erde, hörte von der seltsamen Diskrepanz der Maoris, die einerseits basierend auf höchst chauvinistischen Gesellschaftsstrukturen jedes Gespräch mit Prime Minister Helen Clark aufgrund ihres Geschlechts laut buhend verweigern, aber gleichzeitig historisch bedingt die treuesten Queen Anhänger darstellen und hörte von dem massiven Misstrauen der Neuseeländer gegenüber bürokratischer Kontrollen. Die Einführung digitalisierter Fotos im Führerschein löste wahre Überwachungsstaat-Proteststürme aus.
Auch hier haben vor allem Maoris, wie auch Robin Gallagher 2000 in seinem Blog sehr blumig beschrieb, Probleme damit, ihr Moko abgelichtet und gespeichert zu wissen: „When moko goes into a database it gets translated into binary figures and I see that as a disturbance.“ Robin berichtet aber auch von einem jungen Maori, der eine praktische Lösung für dieses Problem parat hat: „Then mini-mega star activist Tama Iti was brought on. He has a moko but interestingly enough provided a solution for moko wearers who wished to get a photo licence without having their moko digitally captured. He said a fellow he knew had worn makeup to cover over his moko when he had the photo taken. Oh well, problem solved, then.

Da auch ich aktuell einigen Ausseinandersetzungen bezüglich Datenschutz in der Arbeit ausgesetzt bin, war mir die Einstellung der Maori plötzlich sehr sympathisch und ich dachte bei mir: So ein bisschen Maori-Blut würde so manchen meiner KollegInnen, die ihre persönlichen Daten gerne unreflektiert verschenken, vielleicht ganz gut tun?  Denn, wenn auch ihre Begründungen für mitteleuropäische Verhältnisse etwas exotisch klingt, so ist ihre Konsequenz doch ziemlich beachtlich: Laut Maori News fahren seither rund 800.000 Fahrer, also fast ein Viertel der Bevölkerung Neuseelands, mit abgelaufenen oder schlichtweg ohne Drivers Licence (wie glaubwürdig diese Information ist, sei mal dahingestellt…) .
kaiserwasser
Und so ging der Abend weiter, UNO-City und Donaucity Hochhäuser spiegelten sich im Kaiserwasser und lieferten einen seltsamen Kontrast zu Trauerweiden, Donaugeplätscher und Gemeindebau. Zwischen all den illustren Geschichten, erzählte Kat dann ganz nebenbei, dass sie Geburtstag hat. Aber Hallo! Ein überschwängliches Geburtstagsständchen war natürlich Pflicht und so endete dieser Tag unverhofft ausgelassen und fröhlich.
So schöne, spontane Momente gibts nicht allzu oft. Oder vielleicht gibt es sie, aber ich gehe ihnen vor lauter Alltag zu oft aus dem Weg? Wahrscheinlich ist es so. Wahrscheinlich wird es Zeit wieder bewußter zu leben.
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5 Kommentare to “Neuseeland am Donauufer”

  1. Hallo Joulupukki!

    Ich bin inzwischen wieder auf meiner Insel am andern Ende der Welt angekommen. Schoen zu lesen dass du unseren Abend genauso genossen hast wie ich. Schoen, spontan und ein bisschen abgefahren, ich haette mir keinen schoeneren Geburtstag wuenschen koennen. Danke!

    Bin ja platt was du alles ueber die Maori rausgefunden hast, dass mit dem digitalisierten Moko habe ich nicht gewusst.

    Hier wird es jetzt wirklich Winter, es ist kalt und winding und in den Bergen hat’s geschneit. Zeit bald die in Wien gekauften Ski anzuschnallen.

    Mach’s gut und bis bald

    Katja

  2. Überzeugende Völkerverständigung:

    eine finnische Weihnachtsfrau sitzt mit einer deutsch-neuseeländischen Klimaforscherin am österreichischen Donauufer, sie trinken Rotwein aus Italien und futtern Käse aus Frankreich, ehe die Finnin ein „Happy birdy“ anstimmt. Schön…

  3. Die Firma dankt! 😉

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