Strohmutter

Vom Küchenkastel schauen mich acht Paßfotos an  …

… der Zwerg mit 4 Jahren verschmitzt grinsend – trotz allem gottverfluchten Übels … mit 6 Jahren vom Schulfotografen kampelt und gstriegelt mit ernstem Blick aus großen dunklen Augen … mit 9 Jahren und einer der Dutzenden Brillen auf der Nase, die spätestens nach einer Woche heillos verbogen oder in der Donau versenkt waren … mit 11 Jahren im heißgeliebten Limp Bizkit T-Shirt, dass er sich eigentlich nur unter Vollnarkose ausziehen ließ … mit 13 Jahren und irrer Grimasse, der Schulfotograf gab nach zwei Dutzend Versuchen ihn freundlich lächeln zu lassen fluchend auf. Kampeln und striegeln? Schon lange nicht mehr … mit 14, 16, 17 Jahren – immer größer, immer reifer …

Vom Küchenkastel schauen mich acht Paßfotos an, wie ein Zeitraffer aller Höhen (oh, was für Höhen!) und Tiefen (oh, was für Tiefen!).

Und jetzt ist er weg.

Und auch wenn ich weiß, er kommt wieder, so weiß ich doch auch: die Kindheit ist vorbei.

200903241

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21 Responses to “Strohmutter”

  1. Meine Helden werden im nächsten Monat – Teenager ..
    Wird wohl auch der Beginn der letzten Staffel @ Home sein ..

  2. Frisch ausgezogen?
    Da merkt Muttern dann, irgendwie fehlt etwas, oder? 😉

    • Ja, so ist es. Eigentlich dachte ich ja immer: Heissa, dann beginnt wieder das Leben, in dem man hauptberuflich NICHT Mutter ist. Doch nun: Von Heissa keine Spur. Aber trotzdem würde ich es auch nicht anders wollen – Erwachsenwerden ist ja ein guter und wichtiger Schritt.

  3. sehr süß und sehr rührend! und ich mag deine riesenbotschaften auf der straße!

    • Die Botschaft ist zur Abwechslung nicht von mir ;o). Seine Freundinnen kamen in aller Herrgottsfrühe angeschlichen, um ihn vor der Abreise zu überraschen. Fand ich auch ganz rührend!

  4. Ein Hoch auf alle Mütter, die ihre Söhne ziehen lassen! (.. und erst ins Geschirrtuch heulen, wenn er um die Ecke ist!)

  5. oh wie sehr ich dich verstehe, bei mir ist es ein ziehender Schmerz, der nicht nachläßt.

    Viele nicht gesagte Worte (oder doch ein paar zuviel?). Vieles was gern passiert wäre, aber nie geschah. Viel Zeit die nie mehr wiederkehrt, und nur in den Erinnerungen verbleibt.

    Aber hauptsache „er“ ist glücklich, und geht seinen Weg. 🙂

  6. Na toll. Mein Mädchen wird erst zehn und trotzdem kämpfe ich jetzt mit den Tränen, ich alte Heulsuse.

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