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Freitag, 13. März 2009

Gegenstimmen für Menschlichkeit

Der Bassist der Gegenstimmen, im Freundeskreis zärtlich Müsli genannt (aber das hört er nicht so gern), informierte mich, dass der Chor heute auf der Mariahilferstraße auftritt. Die Eigendynamik und „We are family“ Aura, die diesen und wahrscheinlich auch jeden anderen Chor umgibt, ist mir zugegebenermaßen heimlich ein wenig unheimlich, doch das mindert meine ungeheure Hochachtung vor ihrem sozialen Engagement und ihrer Zivilcourage keineswegs. So hauten sie den Herren und Damen Abgeordneten der noch taufrischen blau-schwarzen Regierung 2002 die vertonte Regierungserklärung des Bundeskanzlers Wolfgang Schüssel um die Ohren – und benötigten dabei für eine schöne Portion Zynismus nicht mehr als die Tonleiter und den genauen Wortlaut der Schüssel Rede. Und so treten sie auch immer wieder unentgeltlich für den Augustin, der Wiener Obdachlosenzeitung, auf.

Auch heute lud der Augustin zu einer F13 Aktion ein. F13 steht für Freitag, den 13 und soll aufzeigen, dass es Menschen unter uns gibt, deren Anzahl der Pechtage sich nicht auf drei im Jahr beschränken.

Der Titel der heutigen Veranstaltung „100 Stunden Polizeiarrest wegen Füße-Ausstreckens„. Der Hintergrund: Herr H. wurde letzten Oktober wegen „Aufdringlicher Bettelei“ mit ausgestreckten Füßen auf der Mariahilfer Straße vor der BAWAG Filiale zu €200.- Strafe oder 100 Stunden Arrest verdonnert. Im korrekten Juristendeutsch heißt das dann: „Aufdringliche Bettelei“ gemäß § 2/1 WLSG, „Vorschriftswidriges Verhalten auf Gehsteigen im Ortsgebiet“ gemäß § 78/c StVO und „Benützung von Straßen zu verkehrsfremden Zwecken ohne Bewilligung“ gemäß § 81/1 StVO.

Aus der Anzeige:

„… Seine Beine hatte er, ca. 1 Meter quer auf den Gehsteig ragend, ausgestreckt. Die Arme ausgestreckt und die Hände übereinander gelegt bettelte er vorbeigehende Passanten unverkennbar an. Eine ca. 10 cm im Durchmesser große Schale stand in etwa 1,5 Meter von der Hauswand entfernt auf dem Gehsteig. Darin befand sich Münzkleingeld. Durch das Verhalten des H. waren die Passanten, zu diesem Zeitpunkt (15. Oktober 2008, 12.50 Uhr – die Red.) herrschte reger Fußgängerverkehr, an der ordnungsgemäßen Benützung des Gehsteiges gehindert. Passanten mussten ausweichen, um nicht über die ausgestreckten Beine des Angezeigten zu stolpern. …“

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