London bruchstückhaft

Sie will mich nicht küssen, die Muse. Diese launenhafte Grazie, was fällt ihr ein? Nun denn, wird mein kurzer Londontrip halt ohne Geschichte auskommen. Auch nicht schlimm – viel konnte ich neben dem dichten Seminarprogramm ohnehin nicht sehen. Ein paar Handyfotos vom Sonntagsspaziergang, die streu ich hier aus. Dieses Tube Foto zum Beispiel in Green Park …

london_tubeWeiß eigentlich noch jemand, wo die Tube Anschläge vor ein paar Jahren waren? Nach dem ersten Anschlag habe ich im Internet recherchiert, meinen ehemaligen Englisch Lehrer ergoogelt und nach einem guten Jahrzehnt erstmal wieder angeschrieben. Es ist ihm nichts geschehen – Gott sei Dank. Nach dem zweiten Anschlag unterließ ich es zu schreiben. Ist die zweite Bombe schon Routine? Inflationärer Entsetzensverfall? Ich war mir jedenfalls sicher, dass auch diesmal alles ok sein wird mit ihm. Vor meiner Abreise nach London habe ich nun wieder versucht, ihn ausfindig zu machen. Diesmal gelang es mir nicht …

*Gedankenwegwisch*

Was haben wir noch … ah ja, das hier war beim Tate Modern, nur ein paar Meter von meinem Hotel entfernt:

london2Auf der Brücke, die zwischen Tate und St.Pauls die Themse überquert, standen an dieser Stelle immer abwechselnd zwei Polizisten oder ein junger Bettler. Warum denkt man bei Bettlern in London dieser Tage bloß immer gleich an gescheiterte Banker? Auch von der ‚homeless, but not workless‘ Schichte habe ich zuerst aus London erfahren. Menschen, die einer geregelten Arbeit nachgehen, aber trotzdem obdachlos sind. Das ist doch pervers … oder wie man hier so schön sagt: pathetic! Wie wirds weitergehen?

*Gedankenwegwisch*

Das Foto hier zeugt wiedermal von meiner Vorliebe, kleine Tiere auf Augenhöhe zu fotografieren:

london_taubeHat sie nicht einen ausgesprochen mondänen Weltstadtschritt, die kleine Taube? Den lernt man in London aber offensichtlich schnell. Irgendwie scheint hier jeder in Eile zu sein. An der Kreuzung, an der ich um eine Auskunft fragen wollte, brauchte ich eine ganze Weile um jemanden zu finden, der nicht so aussah, als müsste er gerade zu seiner gebärenden Gattin ins Spital. Und der erste, der gemäßigten Schrittes daherschlenderte, antwortete schon auf mein „Excuse me, Sir“ mit „Sorry, I’m in a hurry“ – und schlenderte gemächlich weiter … Irgendwie seltsam, die Briten.

Und da hätten wir St. Pauls zum dritten Mal (hab ich schon erwähnt, dass ich nicht allzu viel von London gesehen habe?):

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Brücke, Möwe, Mann, Paul, Möwe, unten Themse. Sonst noch Fragen?

Dreht man sich von hier aus um, sieht man den Tate Turm:

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Im Turm drin wird man derzeit von einer schrägen Shopping Center Installation mit leeren Regalen und überdimensionaler Spinne über den Köpfen begrüßt:

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Kleine Konsumentenameisen unter der großen Konsumspinne. Auch ein Zukunftsszenario?

*Gedankenwegwisch*

Hoffentlich harmlosere Spinnen gibts auch im angrenzenden Gemeinschaftsgarten:

london8Would you like to help with gardening? Der gute alte englische Gärtner, seineszeichens notorischer Mörder, ist nämlich auch schon arbeitslos. Ob die Community nun eigentlich auch diesen makaberen Part des englischen Gärtners übernimmt? Ich stell mir gerade den Wochenplan dafür vor: monday – watering flowerbed, tuesday – weeding bad weeds, wednesday – poisoning mrs. miller, …

*Gedankenwegwisch*

Mit dem nächsten Foto möchte ich der fabelhaften englischen Tee Tradition huldigen und für meine täglich erneuerte Hotelzimmer-Teegarnitur danken. Das hat einfach Stil! In Österreich könnten sie ruhig auch ein Kaffeejausenset mit Gugelhupf und Melange in jedes Hotelzimmer stellen. Aber dann läge sicher auch noch die Kronen Zeitung dabei. Also nein, lieber doch nicht.

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Was haben wir noch? Ach ja … Snacks on the road:

london12Und Hassprediger – die halten die Briten ja auch ganz gern in Atem:

london11Find ich irgendwie höflich, dass sich der Herr mit der ungünstigen Meinung zu Polizisten auch gleich namentlich vorstellt. Seine Telefonnummer hätte er aber der Vollständigkeit halber auch gleich dazuschreiben können…

So, das wars! Ach nein, da ist mir ja noch ein Foto runtergefallen. Moment … ah ja, ein Portrait der Southwark Cathedrale Haus und Hofkatze. Während der Priester drinnen seine Messe abhielt – und dabei stur ignorierte, dass kein einziger Gläubige in den Bänken saß, begrüßte sie mich unverdrossen jeden Morgen auf dem Weg zum Seminar und erteilte mir so auf ihre Art die Absolution. Quasi Take Away Salvation. Zum Dank sei sie hier auch verewigt:

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8 Kommentare to “London bruchstückhaft”

  1. …also bin ich gebohrt, und nicht geboren? Bäääähhhh

    • Zumindest hast Du Dich gebohrt, durch den Muttermund usw – Du weißt schon. Therapeuten pflegen das Bohrszenario ja gerne nachzuspielen und ihre Patienten schwitzend und keuchend durch enge Kanäle zu quälen und dabei noch kräftig vollzuschleimen. Soll ja ganz erfrischend sein, wenn man da durch ist. Wer dann keine Lust mehr auf die Therapie hat, gilt als geheilt.
      Na, klingt das ‚h‘ jetzt plausibler?

  2. kleine tiere in augenhöhe find ich super! bären auch!

  3. quack quack quack :-p

  4. …also für „von der Muse ungeküßt“ ist das aber ein sehr hübscher, poetischer Foto-Essay! Bin gespannt, was dabei herauskommt, WENN die Muse mal zuschlägt! Ein Spielfilm? Eine vierbändige Romantrilogie? Ein Epos?

  5. Halleluja,

    was bringst du erst aus London mit, wenn du mal kein Seminar hast… ???

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