neuer britischer Volkssport: Datenschutz Hyde & Seek

Das Land der depressiven Prinzen und rüstigen Queens hats ja nicht so mit dem Datenschutz.
Das National Offender Management Service vermisst ihre Festplatte mit den Daten tausender Angestellter, kommt aber erst ein Jahr später drauf danach zu suchen. Der Gemeinderat von Charnwood hingegen verscherbelt seine Festplatten mit den Steuerbescheiden und Kontodaten der BürgerInnen gleich bei E-Bay (wurde der Reinerlös von € 8,75 eigentlich versteuert?), wenn man dort etwas tiefer in die Tasche greift, kann man aber auch die Daten der Bankkunden von American Express und der Bank of Scotland ersteigern (samt Handynummern, Kreditkartennummern und Unterschrift). Dieses Service frei Haus sollte einem doch schon 45 Flocken wert sein, nicht?
Wer sich jedoch lieber eine illustre Sammlung britischer SchwerverbrecherInnen zulegen möchte, halte die Augen nach verlorenen USB-Sticks offen. Die und andere personenbezogene Daten lassen britische Ämter schon gern mal wo liegen, mit Vorliebe in der Tube.
Patientendaten gehen verlustigt, Kindergeldempfänger können sich gleich ‚Schmarotzer‘ auf die Stirn tätowieren lassen, und und und…

Doch jetzt schlägt das Empire zurück! Geht doch nicht an, dass die gesunde britische Volksseele mit Schlamperei und Unbedachtsamkeit in Verbindung gebracht wird. Die British National Party geht nun rigoros gegen diesen Verdacht mit gutem Beispiel voran, und veröffentlicht die Liste all ihrer rechtsextremen Mitglieder gleich selbst auf ihrer Website. Da finden sich – oder besser gesagt fanden sich (mittlerweile haben sie wahrscheinlich erkannt, dass sich mit den Daten auf E-Bay ja das eine oder andere Pfund dazuverdienen lässt) – unter anderem Namen von PolizistInnen, RechtsanwältInnen, vier Geistliche und jede Menge Lehrer und Lehrerinnen. 13.500 Namen, Adressen, Telefonnummern, E-Mail-Adressen und Spendenbeträge. Wer von ihnen AktivistIn ist und wer gerne fallschirmspringt, sich für Militärgeschichte interessiert oder für ‚classic motorcycles‘, wie jener Ex-serviceman der 1st Royal Horse Artillery. Was Queen Mum dazu wohl sagt?
Das Information Commissioner’s Office scheint sich jedenfalls dafür zu interessieren und investigiert nun nicht nur gegen den bösen Veröffentlicher (ein vermeintliches Ex-Mitglied der Partei), sondern auch gegen die BNP selbst, die weit mehr persönliche Daten gespeichert hat, als gesetzlich zulässig ist.

Ich hab mich jedenfalls gleich mal vergewissert, dass mein ehemaliger Englisch Lehrer nicht aufgelistet ist. Gut so, sonst müsste ich an meinen Sprachkenntnissen zweifeln, denn wie wir alle wissen habens die Rechten ja meist nicht so mit der eigenen Muttersprache…

(Mit besten Dank an Telemach für die Liste ^^)

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6 Kommentare to “neuer britischer Volkssport: Datenschutz Hyde & Seek”

  1. Das klingt wirklich schön – ich freu mich jetzt schon auf die Photos!
    Wenn du Bargeld mitnimmst, bleibt dir halt immer noch das Dilemma des Geld-Wechselns. Die billigste Variante ist nunmal im Land selbst über Bankomat Geld abheben…

  2. Bei den Briten weiß man nie so genau… Am besten nehme ich einfach genügend Bargeld mit und verstecke es an geeigneten Orten, zum Beispiel meinem Reisegürtel. Das praktische daran ist, dass man nicht so leicht an sein Geld kommt und demnach weniger ausgibt ^^. Zum Glück werde ich nur in Edinburgh in Versuchung kommen, einzukaufen, die restliche Zeit über wird im Lake District und in den Highlands gewandert und auf dem Ben Nevis rumgekraxelt. Ein Traum geht in Erfüllung 🙂

  3. Queen Mums haben auch posthum noch jede Menge zu schnattern, da bin ich sicher! Ist das britische Königshaus eigentlich auch ‚Thronfolger von Gottes Gnaden‘, wie dereinst unsere Habsburger?

    @heinrich: Ich glaube eigentlich nicht, dass beim Bankomaten viele Daten gespeichert werden können – abgesehen von der Transaktion selbst. Würds schon machen, ist zumindest die günstigste Art an Pfund zu kommen.

  4. Ach, Queen Mum thront bestimmt im Himmel und gibt (ge)bissige Kommentare ab 😉

    Meine Studienfahrt im Juli soll ins Lake District und nach Schottland gehen. Eines werde ich da sicher nicht tun: Mit meiner EC-Karte Geld abheben. Wer weiß, was da für Daten gespeichert werden und „verlorengehen“…

  5. Sag mal, ist Queen Mum nicht tot?
    Ach, die Engländer lieben doch Gespenster, hast rrrrrrecht!
    ;-))

  6. Komisch nur, dass der britische Verfassungschutz bei der Ebay – Auktion gar nicht mitgeboten hat

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