Kunst im Gefechtsturm

In Wien stehen noch einige Bunker und Gefechtstürme rum. Die grauen Zwillings-Klötze mit Mauern, die zu mächtig zum Sprengen sind, lauschen mit vier Ohren der Gegenwart und erzählen – obgleich mundlos – doch von Zeiten, von denen mancher mit zwei Ohren ja doch nichts mehr hören will.

An ihrer Größe kann man das Niveau über den Meeresspiegel ablesen, die Dächer der Türme liegen auf gleicher Fluglinie. Fast alle stehen leer und ungenutzt herum, doch zwei von ihnen haben den Sprung ins Jetzt geschafft. Im Esterhazypark im 6. Wiener Gemeindebezirk beeinhaltet der Flakturm das „Haus des Meeres„, seine Außenmauer wird als Kletterwand genutzt. Und im Arenbergpark, im 3. Bezirk hat eine Außenstelle des MAK (Museum für angewandte Kunst) den Gefechtsturm besiedelt.

Letzten Sonntag haben wir dort das Gegenwartskunstdepot besucht…

Der Kontrast zwischen frechen und witzigen Kunstobjekten inmitten dieser schaurigen Räumlichkeiten ist sehenswert! Vom „Fat Car“ des von mir hochgeschätzten Erwin Wurm bis hin zu experimentellen Architekturprojekten von Coop Himmelblau, Hans Hollein u.a. findet man hier eine Fülle spannender und inspirierender Kunstobjekte.

Draht-LKW und weißes Männchen im Gefechtsturm
(die Künstler sind mir leider nicht bekannt. Sollte sie jemand kennen, bitte melden – wird nachgetragen)

Und auch der Ausstellungsrahmen entbehrt nicht eines feinen subtilen Humors. Akteurinnen des theatercombinats lehnten in dunklen Uniformen gekleidet mit emotionslosen Gesichtsausdrücken in Ecken und Winkeln. Am Kopf trugen sie riesige Megafone aus denen Elfriede Jelineks Bambiland schallte.

Zum Abschluß führt uns der Lastenaufzug, über dem die Inschrift ‚Erst Gefechtsbatterie, dann Kriegsversehrte‚ kaum noch zu entziffern ist, zur Terasse hoch. Der Rundblick über die Dächer der Stadt ist von hier aus ungewohnt – ein schöner Ausblick…

MAK- GEGENWARTSKUNSTDEPOT
GEFECHTSTURM ARENBERGPARK
Dannebergplatz 6/Barmherzigengasse
1030 Wien

Geöffnet von 4. Mai–30. November 2008,
jeden Sonntag 14.00–18.00 Uhr
http://www.mak.at/aussenstellen/arenberg.html

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One Comment to “Kunst im Gefechtsturm”

  1. Türme, die erzählen können, mit vier Ohren. Schön beschrieben. Ein ziemlich aufregender, aufrüttelnder Performance-Ort, von außen ein graues Baton-Ungeheuer inmitten eines schönen bürgerlichen Wohnviertels. Welch Kontraste.

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