Hamburg, Millerntor barrierefrei

Mein Hamburg Besuch ist ja nun auch schon wieder einige Zeit her, doch immer noch so frisch und gegenwärtig, als wärs gestern gewesen.
Eine ganz besondere Erfahrung durfte ich durch meinen Freund T. machen. Er ist Rollifahrer – der einzige Rollifahrer, den ich kenne. Und so habe ich Hamburg auch aus einer anderen Sicht kennengelernt, an der Seite eines Menschen, für den viele Benachteiligungen Alltag sind.

Aus der reichen Auswahl an Verkehrsmitteln kann er nur einige wenige nehmen – und wenn der Rollstuhlfahrerplatz im Bus schon besetzt ist, muss er auf den Nächsten warten.
Auch bei weitem nicht jede U-Bahn Station ist behindertengerecht angelegt und wenn doch, können nur wenige ganz bestimmte U-Bahn-Türen genommen werden, für die sicher gestellt ist, dass bei der nächsten Station beim Ausstieg der Abstand zum Bahnsteig nicht zu groß ist, um mit dem Rolli rüber zu kommen.
Abschüßige Gehsteige werden zum Problem, die einseitige Ausbalancierung strengt sichtbar an. Ein gemütliches flanieren durch die Wiesen – unmöglich – von in der Wiese liegen und mit der Seele baumeln ganz zu schweigen. Restaurantbesuche nur in sehr eingeschränkter Auswahl möglich. Schwielen an den Händen – normal.
Mir ist in diesen Tagen einiges klar geworden, wofür ich bis dato offenbar blind war. So viele kleine und große Handicaps, die Gehandicapten das Leben schwer machen und sie benachteiligen…
Zur WM Zeit wurden einige Zugänge barrierefrei gemacht, doch damit scheint nun wieder auf einige Zeit Schluß zu sein.
Meine Hochachtung vor allen unseren Mitmenschen mit Behinderungen, die sich davon nicht ins Bockshorn jagen lassen, sich organisieren und aller Widrigkeiten zum Trotz durchsetzen.

Doch auch sehr schöne und erbauliche Erlebnisse geschahen dieser Tage…

T. und ich beschlossen nämlich das Open Air Kino am Millerntor zu besuchen, jenem legendären Stadion, in dem der Fußball zwar nicht ganz so erfolgreich ist, wie jener des großen HSV, aber dafür ist St. Pauli einfach sexy!
Punktum!
Sexy!
Im Sommer jedoch ruhen die sympathischen Kicker und das Millerntor gehört für einige Zeit den Cineasten. Als wir den Eingang des noch halb in Baustelle befindlichen Neubaus des Stadions erreichten, bekam ich jedoch erstmal einen gehörigen Schreck: Eine riesige Treppe führte hoch zu den Eingangstoren!
Sonst hätte ich dieses imposante Treppenwerk kaum beachtet – nun sah es schlichtweg nach dem Ende der geplanten Abendgestaltung aus.
Ohne allzugroße Hoffnung lief ich die Treppen hoch, um zu sehen, ob ich jemanden finden konnte, der uns mit dem Rollstuhl helfen könnte. Doch kaum oben angelangt, sagte mir der nette Mann an der Kassa, dass seine Kollegin uns schon gesehen hätte und bereits bei T. unten sei.
Und dieses zuvorkommende Service begleitete uns den ganzen Kinoabend hindurch. Die junge Kino-Mitarbeiterin war wirklich ein Schatz, organisierte in 0,nix eine Möglichkeit für uns durch das gesperrte Hauptgebäude zu barrierefreien Plätzen zu gelangen und gab uns sogar ihre Handynummer für den Fall, dass wir noch etwas benötigten. Ich war wirklich erstaunt über so viel Umsichtigkeit und möchte ihr nachträglich noch einmal herzlich dafür danken!

Unser Kinoabend war gerettet, Ratatoulle entzückend und das Panorama des Millerntors sagenhaft!

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One Comment to “Hamburg, Millerntor barrierefrei”

  1. Hurra! St. Pauli ist nicht nur sexy, sondern da arbeiten auch die Guten. Das freut mich sehr für Dich und T. und alle Menschen mit Handicap!

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