Österreich hat … gerülpst!

Die Alpenrepublik hat gewählt. Das Ergebnis konnte zu jenem unserer bayrischen Nachbarn kaum unterschiedlicher sein. Das österreichische Stimmvieh grast wieder auf der rechten Weide.

Im Studio haben wir nun die Politikerin der Paranoid Million Dollar Rocking Snow Goons: Joulupukki Korvatunturi.

Ingmar Thurnfrau: Werte Frau Kovatunturi! Wiedereinmal hat Ihre Partei den Einzug ins Parlament nicht geschafft …

J. Korvatunturi: Ja, ja, stochern Sie nur in frischen Wunden… Aber viel wichtiger ist doch: Österreich hat es wiedereinmal geschafft – nämlich sich vor der Welt zu blamieren! An Kleingeistigkeit und Kurzsichtigkeit rangieren wir doch einsam am Gipfelkreuz. Das mache uns mal einer nach!

Ingmar Thurnfrau: *räusper*
Ja, ähm … An dieser einsamen Spitze sind ja mit dieser Wahl erstmals auch die jungen Wähler ab 16 angelangt. Wie analysieren Sie die Wahlstrategien der letzten Wochen?

J. Korvatunturi: Ein interessanter Punkt, Herr Thurnfrau! Wenn Sie sich hierzu mein Anschauungsmaterial ansehen wollen:
Hier haben wir den typischen Neuwähler 2008.
*Hält ein Täfelchen hoch*

Ingmar Thurnfrau:
*verdreht die Augen*
Hoch interessant! Und wie konnten diese neuen Wählerschichten von den Parteien nun geköd… äh angesprochen werden?

J. Korvatunturi: Jetzt hetzens mich doch nicht! So schnell wirds schon keine Neuwahlen geben! Obwohl … hm … wer weiß…
Na, jedenfalls konnte das Bemühen um diese Bevölkerungsschicht wohl kaum unterschiedlicher sein. Während die ÖVP sich die Jungstimme nämlich gerade einmal ein … klebriges Zuckerl (!) zum zugehörigen Wahlbrief kosten ließ und jenes bezeichnenderweise noch in reines weißes Papier ohne Aufdruck wickelte (was wollten sie dem jungen Wähler wohl sagen?), die FPÖ wie eh und je mit blauen Luftballonen und einem Zahnpastalächeln warb, vom BZÖ nichts zu sehen war und die Grünen kleine Briefchen mit HanfKräutersamen zum Selbstanbau verteilten, stach die SPÖ mit überraschend professionellen ‚Cool Vibes‘ hervor. Sie verteilte Musik-DVDs und kleine rot-weiß-rote Bändchen mit dem jovialen Sprüchchen ‚ich – du – wir – österreich hält zusammen – spö – http://www.neuepolitik.at‘. Aber diese Bändchen galten nicht bloß als vermeintlicher Körperschmuck. Mit diesem Bändchen konnten die Jungwähler in dutzenden Wiener In-Lokalen gratis Eintritt erhalten und sich beim Burger King kostenlos den Wanst vollschlagen.
Sie sehen…

*hält ein neues Kärtchen hoch*

Heute morgen wankten die oportunistischen Delinquenten allerdings ein wenig verkatert in die Wahlkabinen, die hübschen Bändchen fanden nur noch wenig Zuspruch…

… und der Jungwähler und die Jungwählerin setzte sein Kreuzchen je nach Intelligenzquotient (und wir kennen die österreichische Position in der PISA Studie) erst recht für Grün oder Blau.

Ingmar Thurnfrau: Ich danke für diese ausführliche Analyse. Nun unter uns: was war denn Ihr ernüchternder Moment an diesem Wahltag?

J. Korvatunturi: Was für eine Frage! Natürlich die erste Hochrechnung in der Wohnung meiner Mutter:

Da strafen die ÖsterreicherInnen also die Großparteien für ihre Kindergartenstreitereien der letzten 2 Jahre ab und wählen stattdessen … das größere Übel!

*schlägt den Kopf laut aufschluchzend 3 mal gegen den Tisch*

Ingmar Thurnfrau: Na! Na!
*reicht mit süffisantem Lächeln ein Pflaster*

J. Korvatunturi: Ja, und dann auf dem Heimweg, zählte ich die Passagiere in der U-Bahn durch:
*mit sich überschlagender Stimme und wirrem Blick*
„Eins, Zwei, Drei: Brauner Brei! Eins, Zwei, Drei: Brauner Brei! Eins, Zwei, Drei…“

Ingmar Thurnfrau:
*Hält schockiert das Micro zu*
Frau Korvatunturi! Jetzt fassen Sie sich!
Zum Abschluß noch eine Frage: Wie werden Sie den morgigen Tag nach der Wahl verbringen?

J. Korvatunturi:
*zieht lautstark ein Rötzlein hoch*
Ich suche als erstes das Konsulat von Vanuatu auf um um politisches Asyl anzusuchen!

Ingmar Thurnfrau: Also Fahnenflucht! Ich danke für das Interview!

*Joulupukki Korvatunturi wird kreischend und zappelnd aus dem Studio getragen*

J. Korvatunturi: I SOGS GLEI – I WOARS NED!

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15 Kommentare to “Österreich hat … gerülpst!”

  1. Haha, steile Geschichte. Schön geschrieben und vor allem wahr.

    Lg

  2. Ich weiß zwar wenig über Vanuatus Demokratur, aber die Vanuatis rangieren im Happy World Index immer ganz weit oben und haben ihren Ursprung im Kannibalismus. Ich grüble ja schon lange drüber nach, ob das eine mit dem anderen irgendwie zusammenhängt. Vielleicht so in etwa?:
    „Hey Bro! Wie schauts aus? Fress ich Dich oder frisst Du mich?“
    „Ach weißt Du, ich bin heut ohnehin so depri. Also mach mas kurz – Guten Appetit!“

  3. Man kann die restlichen vernünftigen Österreicher eigentllich nur noch bemitleiden – und bewundern, wie sie das aushalten. Vanuata scheint doch eine vergleichsweise gute Alternative zu sein. Wie schaut’s dort eigentlich mit Demokratur aus?

    Zur Landtagswahl in Bayern bleibt nur zu sagen: Mittelprächtig. Dass die FDP wenn möglich mit der CSU koaliert, war von Anfang an klar, auch wenn auf den FDP-Plakaten „Der deutlichste Kontrast zu Schwarz“ stand 😉 Das einzig gute ist, dass Schwarz-Gelb eine hauchdünne Mehrheit hätte, die bei strittigen Themen durchaus zugunsten der Opposition umschlagen könnte.

  4. jeder 3,5te oder 2,5te Österreicher, der GEWÄHLT hat, findet sich dort wieder. Vielleicht ist es auch einfach das Problem, dass mehr rechte wählen gehen als normale Bürger?

  5. @Ericaaaa ^^: Ganz Deiner Meinung. Van der Bellen und die Grünen haben Besseres verdient, doch die Stimme der Vernunft ist leise. Um die zu hören brauchts schon ein geschultes Gehör – aber was wäre die Alternative der Grünen? In das populistische Marktgeschrei miteinstimmen? Nein, bitte nicht. Dann lassen wir den ÖsterreicherInnen doch lieber, was sie offenbar verdienen.
    Das Lieblings-Zukunftsszenario meines WünschDirWas Konzertes wäre natürlich eine funktionierende Koalition jeglichen Colleurs ohne Blau-Orange – ohne Kindergartenspielereien und kompletter Machtrauschverblödung. Dafür wird ÖVP genauso wie SPÖ etwas an ihrer Gangart ändern müssen, sonst bleibt das schale Kasperltheater das gleiche und DAS wäre mittlerweile schon gemeingefährlich.

    @fränkischer Nachbar: Te conosco bacalao! Seit wann hat Österreich schon etwas aus den letzten 60 Jahren gelernt? Das wäre ja mal was revolutionär Neues…
    Jedoch ist dieses Wahlergebnis mE. mitnichten ein Zeichen dafür, dass jetzt jeder 3.5te Österreicher und jede 2.5te Österreicherin (man sieht, ich klammere mich an jeden Strohhalm…) sein/ihr Gedankengut am rechten Rand wiederfindet. Aber jeder 3.5te Österreicher und jede 2.5te Österreicherin ist schlichtweg zu DÄMLICH aus Protest das RICHTIGE Zeichen zu setzen. Kleingeistigkeit und Kurzsichtigkeit beherrscht mein Heimatland – langsam resigniere ich und finde mich damit ab. Dann hat sich dieses Land vielleicht eh einen Vertreter im Ausland verdient, der das Binnen-I verweigert, „weil das Wort Beamter ja ohnehin beide Geschlechtsteile vereint“ (O-Ton) und eine Kanzlergattin, die als Hobby „Diskothek“ (O-Ton) angibt. Den Dreck, den sie wählen sollten sie eigentlich auch schön brav auslöffeln. Ich zieh derweil nach Vanuatu!

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