Internetaströse Grübeleien

Jetzt bin ich verwirrt.

Hab heute das erstemal seit Langem wieder einen handgeschriebenen Brief in Händen gehalten und war seltsam gerührt. Eine Nachricht auf Papier! So richtig mit Fingerabdrücken und allem drum und dran. Wow! Einzigartige Linien und Bögen und Punkte anstatt steriler Bits und Bytes – Jeder Buchstabe ein Unikat in einem ganzen Universum gleichwertiger Geschwister. Wieviele Schriftarten es auch geben mag, nie erreichen sie die reiche Vielfalt des Handgeschriebenen.

Ist Standardisierung wirklich das um und auf des Fortschrittes? Wohltat durch Verkümmerung? Meine Gedanken schwirren zu aussterbenden Apfelsorten und vergessener Handwerkskunst. Und wann entsorgt die Menschheit die Handschrift im Mistsack der Unrentabilität?
Kinder, die am ersten Schultag handliche bunte Laptops in der Schultüte finden. Bleistifte und Füllfedern, die nur noch in Museen belächelt werden. „Stellt Euch das vor Kinder! Damals wurden mit diesen Geräten Mails gemalt, in zelluloseähnliche Bags gesteckt, mit Stickern versehen und tagelang mit motorisierten Hilfsmitteln durchs Land getragen. Kein Strg+C, Strg+V und vor allem kein Strg+Z! Überlegt doch mal, wieviel Zeit unsere Vorfahren damals verschwendeten !“

Und je mehr Zeit wir sparen, desto schneller vergeht sie.

Wo war ich nochmal vor 6 Wochen in der virtuellen Welt?
*Gedanklich zurückblätter*
Ach ja, tagtäglich in Qype! Kommt mir vor als wäre es Jahre her…

Ein seltsames Phänomen ist das mit der Zeit und dem Internet. Das Pendant am anderen Ende der Zeitempfindungsskala ist dann wohl die Höhle. Ich war eine Zeit lang recht häufig höhlenklettern. Ein spannendes Hobby, dass nicht nur die körperliche Wahrnehmung von oben, unten links und rechts komplett auf den Kopf stellt, sondern auch die Zeit merklich verlangsamt. 2 Stunden werden dort unten zu gefühlten 10 Minuten. Und kommt man aus der Höhle wieder raus empfindet man die vergangene Zeit schier physisch an einem vorrüberrauschen. Das ging so weit, dass ich nach 10 Stunden Höhle beim raufklettern zum Ausgang einmal im Seil akut eingeschlafen bin…

Ich sollt mir vielleicht wieder mehr Zeit für die Welt da draussen nehmen. Gerüchten zufolge soll sie sogar eine richtig geniale 3-D Auflösung haben, auch wenn manche sie nur für einen billige Beta Version der Sims halten.

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9 Kommentare to “Internetaströse Grübeleien”

  1. @joulupukki: „digit“ ist für mich in einer Reihe mit „1984“, und „schöne neue welt“. Zumindest, was die Zukunftsvision betrifft.
    Der „Wolkenatlas“ klingt ja sehr spannend, muß ich mir auf meine Leseliste setzen. Danke.

  2. Fledermäuschen flattern hier jeden Abend über dem Garten hinterm Haus umher, oft auf Augenhöhe mit mir im ersten Stock. Wir haben einen Deal: Sie kommen mir nicht zu nahe, dafür finde ich sie nicht schlimm.
    Außerdem sind sie nicht feucht, schleimig oder glitschig.

  3. Ts, ts, ts! Wer wird denn gleich? Jetzt sag bloß noch Fledermäuschen magst du auch nicht?

  4. IIIIIIIIiiiiiiih!
    (versucht, die meterdicke Gänsepelle glattzubügeln)

  5. @wrnr: Oh ja, ganz prima. Klingt genau nach dem Buch, das mich der mir auf dem Leib geschnittenen Paranoia näher bringt. Als ob >> der Wolkenatlas nicht schon faszinierend böse genug gewesen wäre…

    @buchstäblich: Ach was, da leben doch nur putzige kleine Grottenolme. Gibts was kuschligeres?

  6. Ich traue mich nicht in Höhlen. Da könnte es glitschig sein. Oder Tiere geben. Außerdem würde jede Höhle natürlich in dem Moment einstürzen, da ich sie betrete. Das würden Höhlengerngeher mir übelnehmen. Ich lasse das lieber.

  7. Kennst Du das Buch „digit“ von Michael Weisser (Inhaltsangabe: http://www.kerckhoff.dsfdb.org/BUECHER/BILD_SU_0873.HTM ), könnte Dir gefallen.

    Am besten über zvab bestellen.

  8. Ist das boahig? ^^

    Solltest du auch mal versuchen. Ist wirklich spannend! In Niederösterreich allein gibts über 3000 kleinere und größere Höhlen. Die Berge sind doch irgendwie wie Schweizer Käse. Die Höhlen kennen bloß wenige. Interessiert offenbar kaum jemanden. Führer dazu gibts nur in ganz billigen Heimproduktionen oder handkopiert. Und dann läuft man stundenlang in der Botanik rum und sucht den Höhleneingang, der kann aber auch schonmal nur ein kleines Loch hinter einem Baum sein. Da klettert man dann rein, bewegt sich dann teils robbend durch enge Gänge und steht dann wieder wie aus dem Nichts in riesigen Hallen. So groß, dass die Stirnlampe nichtmal die Decke ausleuchten kann. Und jede Höhle hat ihren ganz eigenen Charakter! Wirklich toll!
    Alle paar Meter baut man Steinmännchen, um den Weg raus wieder zu finden. Und daheim weiß natürlich immer jemand wo man ist, sodass im Zweifelsfall ein Suchtrupp losgeschickt werden kann. War aber nie nötig. War schon mit sehr erfahrenen Höhlenkennern unterwegs. Alleine oder mit Laien ist das sicher nicht zu empfehlen.

  9. Du traust Dich in Höhlen?! Boah.

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