resu*EM*e

Joulupukki K., EM Phobikerin cum laude, hat sich also umsonst gefürchtet. Das muss gesagt sein und es ist gut so!

Die EM ist vorbei und keiner der Albträume ist wahr geworden, keine Alkleiche kreuzte meinen Weg – also zumindest nicht mehr als sonst – keine überdurchschnittlichen Gewaltexzesse in der Stadt, statt dessen…viele strahlende Gesichter. Wer an der EM teilhaben wollte, konnte das tun, wer ihr aus dem Weg gehen wollte, hatte auch keine Schwierigkeit damit.

Gestern hab ich mich ja meinen deutschen Gästen zuliebe sogar dem finalen Desensibilisierungsprogramm hingegeben und mich von dem großen schwarz-gelb-rot-gelb-rot gestreiften Tier auf der Kaiserwiese inhalieren lassen. Das heißt genau genommen hinter der Kaiserwiese, den just vor unseren Nasenspitzen hat sich wie aus dem Nichts eine Kette grauer EM-Sonderkommando-Mäuse vorm Ghettoeingang aufgestellt, deren Mienen klar machten „hier kommt keiner mehr rein„. So als aufbauendes Zeichen (die Zeiten haben sich geändert!) zum Gedenkjahr eigentlich eine feine Geste, aber die Meisten habens glaub ich nicht so verstanden…
Also haben wir uns hinter den Ghettozäunen auf der Prateralleeseite eingefunden, mit ebenso freier Sicht zur Leinwand und dem angenehmen Gefühl nicht eingesperrt zu sein. Unser Bier konnten wir dort außerdem günstigst vom Augustin Verkäufer neben uns erstehen, anstatt zum 3fachen Preis hinter dem Zaun. Besser hätts nicht sein können. Da störten auch die etwas unorthodoxen Dauerrufe des rumpelstilzähnlichen Obdachlosen mit der rotweißroten Knubelnase und den heute rot-gelb-roten statt sonst nur rotgeäderten Bäckchen nur peripher.
Gemma viiiiire, gib Zundaaaaa, Oida!
Hearst dem Wappler gibst a Guakal, dass eam d’Hosen ausziaiiaaagt!
Scheiß Piiiiiefke, ziag ooooo
Da konnte ich mich dann doch nicht zurückhalten…
„Entschuldigen Sie, Ihre Euphorie sei Ihnen ungenommen, aber das muss doch nicht sein, oder? Ich mein: Scheiß Piefke? Das ist dann doch etwas unhöflich! Da gehts doch nur um Sport, nicht?“
Er sah mich völlig entgeistert an und nach ner Denkpause…
Naaa, hearst. Mädl, des vaschtehst Du ned. Schau, des is a so: Vurm Schpüü und nochm Schpüü sauf ma, oba JETZ, JETZ IS KRIAG!
Derart konsequenter Logik konnte ich mich dann doch nicht entziehen und meine deutschen Gäste gottseidank auch nicht, wir nahmens mit Humor. ^^

Nach dem glücklichen Ausgang des Finales – die bessere Mannschaft hat gewonnen und so solls ja auch sein – flanierten wir noch durch die Innenstadt, die einer einzigen wogenden Endorphinwelle glich.

Glückliche Gesichter egal welcher Coleurs, singende (nicht gröhlende) und sambatanzende Menschen, es wurde geküsst, umarmt, gelacht… Und kein Fünkchen Gewalt in der Luft – genau so solls sein!

Trotzdem bleibe ich der Meinung, dass Sport von jeder Art nationalem Zusammenhang entkoppelt werden sollte. Es spielen nicht DIE Deutschen, DIE Spanier, DIE Türken, DIE Österreicher, es spielen ein paar Hanseln am Rasen und sonst nichts. Dieses Spiel mit nationalen Wertigkeiten und damit einhergehenden Ressentiments in Verbindung zu bringen halte ich einfach für absurd und gefährlich. Will man guten Fußball sehen oder gute Deutsche/Schweden/Russen/Polen? Und wenn zweiteres, was soll das über den Rest der Nation schon aussagen? Wenn Deutschland gegen Spanien spielt, stellt das kein Problem dar – zwischen den beiden Ländern gibt es keine politischen oder rassistischen Konflikte. Bei anderen Gegnern hätte das allerdings ganz anders aussehen können, da brennt das Stroh in vorurteilsbeladenen Köpfen einfach schnell mal lichterloh und es werden 2 Ebenen in Verbindung gebracht, die nichts, aber auch rein gar nichts miteinander zu tun haben.

Jedenfalls ist bei dieser EM bis auf ein paar kleinere Ausschreitungen zwischen rechtsvonunsistnurnochdiewand Deutschen und Türken ja gottseidank alles gut gegangen.
Nun kann die Stadt, die sich um meinen Protest ja wenig kümmert, getrost wieder die hübschen Wasserspender abmontieren (Ob sie auch die U2 Verlängerung wieder zuschütten?) und ihren gewohnten Weg gehen, ein bisserl raunzen, ein bisserl schelmisch zwinkern, ein bisserl misantropeln und ein bisserl gemütlich sein.

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16 Kommentare to “resu*EM*e”

  1. @ Jou: Okay – ich muß jetzt noch die Papierschere suchen, die mir seit dem Kindergarten treue Dienste geleistet hat. Solange mußt du dich mit einem
    unbearbeiteten Original trösten (natürlich mit Greif, Hirsch und den Staufer-Löwen“)

    Et voilá:

    Lieben Gruß nach Wien (und schaff nicht soviel…) N.

  2. Ja, aber ich möchte doch auch ein nurvirtueller Gutmensch sein, also hurtig ans Bastelwerk ;o)

  3. Das ist doch bisher nur eine virtuelle Aktion und damit auch ein virtueller Button. (Das haben nur noch nicht alle gemerkt… !. )Aber vielleicht hab ich am Wochenende ja mal etwas Zeit für Bastelarbeiten…

    Lieben Gruß vom stucci

  4. Na, buchstäblich, wie wärs? Ich seh uns schon bei einem kleinen feinen Sommerterrassenbrunch in Stuccitown!?
    Diese Woche hat mich das Arbeitsleben ja leider fest in der Mangel (mir entgehen die schönsten Blog Konversationen 😦 ). Am Freitag ist großer Onlinegnag geplant und da müssen noch viele kleine Schräubchen gedreht werden…
    Dafür belohn ich mich mit einer kleinen sonntäglichen Reise in die hinterste Steiermark zur Weltmaschine. Ja-ha, wir sind zwar keine großen Fußballer, aber in der Kategorie schöne sinnlose Rädchen & Drähtchen Monster bauen sind wir Weltklasse! ;o)

    @gargano: wo bekomm ich so einen „Greif&Hirsch“ Soli-Button denn bei uns? Mein Bedarf nach Minderheitenschutz lechzt danach! Schwaben-kloppen? Das geht ja wohl GARNICHT!!

  5. Ja, ich bin schlecht in Erdkunde, aber da der Jogi den VfB übern Rasen gescheucht hat, zählt er für mich als Schwabe – jedenfalls würde ich den auch nicht mit Borax platzen sehen wollen. Die Schwaben-Berlin-Aktion ist klasse!

    Lass dich auf der Terrasse nicht von Mücken beißen!

  6. @ buchstäblich:ich liebe schwabenschützer…

    Erst Recht, seit ich selbst eine Aktion zu obigen Zwecke ins Leben rufen mußte !!!

    http://www.qype.com/place/169690-Aktion-Mein-Freund-ist-Schwabe–Berlin

    Zurück zu den wichtigen Dingen des Lebens:Fußball, oder ums mit Trappatoni zu sagen: „Ding,Dang und Dong“.

    Ich muß dich leider korrigieren:unser alter Trainer war ja ein waschchter Schwabe, gebürtig in Geislingen, groß geworden in Botnang, später als Comedyheld groß rausgekommen („Mir send die,wo gwenna wellet !“). Sein Nachfolger, der liebe Herr Jogi, ist aber BADENER, geboren in Schönau im schönen Wiesental im Südschwarzwald. Aber wir mögen auch den Jogi, der war ja immerhin mal Trainer in Stuccitown und nur ein gewisser Mayer-Vorfelder (das war der auf der EM Ehrentribüne mit der blonden Mumie an seiner Seite, seiner Frau Margot)hat ihn abgeschossen.
    Ich hab den Jogi später mal im Cafe Sachsenheimer in Waiblingen getroffen, da war er grad arbeitslos (gefeuert erst beim VfB Stuttgart, dann in der Türkei und in der Schweiz), hat Café getrunken, gepafft wie ein Sperper und immer auf sein Handy gestarrt – aber kein Clubpräsident hat angerufen. Bis sein alter Kumpel Klinsi….

    So ändern sich die Zeiten.

    An euch beide ganz liebe Grüße von der Dachterrasse (der, die nach Osten geht).
    Dort werd ich die heutige tropische Nacht verbringen.

    Herzlichst Norbert

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