Nationale im Akt

Gestern wars soweit. Mein schmerzend pochendes Bein erinnert mich an die Detailansicht einer weißen Taxikühlerhaube. So fühlt sich also die Premiere in einem fahrradunfallfreien Leben an – spannend im wahrsten Sinn des Wortes.

Dabei hat sich der Tag bis dahin so gut angefühlt. Mit meinen deutschen Gästen wollten wir die Stadt am Rad erkunden, dafür wurden 2 Citybikes für die beiden entliehen und los gings über Schwarzenberg- und Karlsplatz, Naschmarkt, Flohmarkt, Zwischenstop im Radlager Palazzo auf einen kurzen starken Passalacqua, weiter zum Museumsquartier und einem Hupfer ins Mumok zur Ausstellung „Bad painting – good art“ und ab ins schöne Cafe Central.

Bis dahin lief alles erfreulich. Und dann … quietsch – bumm – bangschoß mich das Taxi ab, schnitt im rasanten Taxler Stil rechts kommend direkt in meine Bahn. Interessant, was man im Schock so alles wahr nimmt. Mein erster Gedanke galt dem schwarzen Bus neben mir – hab ich den eh nicht zerkratzt? Nein, alles in Ordnung. Dann erst sah ich auf mein leicht lädiertes Bein … ok, alles in Ordnung … dann auf mein Rad … AU! Das tut weh, meinen treuen Drahtesel so verbogen zu sehen … dann registrierte ich mit leichter Faszination, wie der Schreck mich zittern ließ und mir vom Hamburger Busfahrer gleich fürsorglich eine Flasche Wasser in die Hand gedrückt wurde, begleitet von guten Tipps (Holen sie sich gleich die Daten von 2 Zeugen … äh, ja, danke … der Taxifahrer hätte auf jeden Fall bremsbereit fahren müssen … äh, ja, genau Brauchen Sie eine Rettung? … äh, nein, passt schon, danke …“). Reizend, dachte ich, schon wieder ein Hamburger, der meine Wege kreuzt – bloß, muss das so schmerzhaft sein?

Dann tauchte die erste Batterie Polizeibeamter auf, EM-Sonderkommando, das gerade zufällig vorbeikam – nahm sehr freundlich die Daten auf und verwies auf den nächsten Polizieitrupp, der 10 Minuten später auftauchte – 2 Polizistinnen, die leicht entnervt, die Daten erneut aufnahmen. Der Betrunkene Passant, der alles lautstark am Gehsteig kommentierte – wahrscheinlich für den Fall eines neuen Bildausfalles? Wir sind ja schließlich in Wien – enlockte der Frau Ordnungshüterin ein knurrendes „Scho wida so a Psycho!“ Lag wohl an der Tatsache, dass er sich angesichts des im Halteverbot geparkten Polizeiwagen genötigt sah nun seinerseits lallend die Polizei anzurufen um lang und breit zu erklären, was er bei seiner Führerscheinprüfung dereinst gelernt hatte… In dem ganzen Tumult strecke mir der Taxifahrer auch noch sein Handy hin
Da, Chef will sprechen mit Ihnen
„Was soll ich mit Ihrem Chef?“
Sie sagen, Sie sind schuld, sagt Chef
Nice try. Meine Antwort verkneif ich mir jetzt.

Da kam dann auch schon der 3. Polizeistoßtrupp, das Unfallkommando mit EDV Ausstattung an Bord. Jetzt wurde das Szenario etwas skurril. Zwischen Taxis und Fiakern, die Dank des Taxifahrers, der mitten auf der Fahrbahn mit einem anderen Taxifahrer das Geschehen debattieren musste, im Stau steckten, brüllenden Polizisten – „Herst, foahr o! plauschen kennts woaundas!„, fotografierenden spanischen EM-Gästen und vorbeiflanierenden pikiert aussehenden EM-Delegationsgästen in feinen Roben wurde das Geschehen richtig … amüsant. Nun, zumindest meine deutschen Gäste hatten einiges zu sehen und zu staunen.

Schlußendlich wurde ich zur Aussage in den Unfallkommandobus gebeten, wo es mich einige Mühe kostete meine Unschuld klarzulegen …
Herns, do gibts nix, do woar a Stopschüd
„Ja, aber das konnte ich dank des schwarzen Busses, der am Zebrastreifen parkte nicht sehen“
Jo, oba, stehn bleim hättns trotzdem miassn
„Wo hätte ich ihrer Meinung nach stehen bleiben müssen?“
No, bei da Hoitelinie
„Welcher Haltelinie?“
Hearns, muas I Eana die a no zeign?
„Ich bitte darum“
Knurrender Polizist steigt aus, kommt wieder zurück…
Do is ka Hoitelinie
„Was Sie nicht sagen“
Wurscht, stehn bleim hättens trotzdem miassn
„Ja, aber wo? Ich kann doch erst dort stehenbleiben, wo ich in die Querstraße Einblick habe. Soweit kam ich ja nicht, da klebte schon das Taxi an mir“
No donn hättns hoit osteign miassn!
und grummelnd
I mog jo Taxler eh scho ned, oba des Problem erledigt si erst, wanns olle Radlfoahra daschiassn. Jetzt lesens eana des durch und unterschreibens
ich lese…
„Bitte WAS? Wieso steht da ‚Akademischer Grad, Titel: Nationale im Akt‚??“
Des waas I ned, oba I kons ned löschn„.

Ja, fein, so war das. Ich bevorzugte es dann, nicht mehr weiterzudiskutieren und fand mich damit ab von nun ab eine akademische Nationale im Akt zu sein.

Fakt bleibt, der Taxler – Vorfahrt oder nicht – hätte schon in seine, nicht meine Fahrspur einbiegen müssen. Der schwarze Bus, der irgendeinen wichtigen schweizer EM-Menschen abholte, hätte nicht am Zebrastreifen parken und die Sicht verstellen dürfen (Der schweizer EM-Mensch befahl übrigens drohend die Fotos des schwarzen Busses zu löschen, was ein wenig seltsam anmutet … hatte er was zu verbergen?)

Und ich hätte – wie sichs für eine ehrbare Nationale im Akt nun mal geziehmt – Teleskopstilaugen haben müssen…

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6 Responses to “Nationale im Akt”

  1. @buchstäblich: Ich werde danach suchen, hab auch schon dran gedacht. Und mit Kottan lagst Du ganz richtig, aber der kommt bei uns erst, „wanns a Leich gibt“. Aber der „Mundl“ reicht ja auch ;o)
    @Zorro:
    Danke fürs Pflaster! ^^
    Ich habe es bevorzugt mit Blicken zu töten, das verhindert Amtsbeleidigungsklagen und der Herr Inspektor wusste auch so genau, wie’s gemeint war.

    Tja, die Frage, was eine „Nationale im Akt“ ist, wird wohl ein ewiges Rätsel bleiben. Da man die Obrigkeit ja ob der Gefahr willkürlicher Mis(t)handlungen nicht in Frage stellen sollte, habe ich es nicht gewagt den gewichtigen Herrn Inspektor ein zweites mal zu Fragen. Und hey, sooo leicht kommt man ja auch nicht zu akademischen Titeln, da werd ich doch nicht kleinlich sein, sondern lieber flucks neue Visitenkarten drucken lassen. Frau NiA Joulupukki Korvatunturi.

    Insgeheim bin ich ja froh, dass da nicht Nationale nackt stand (obwohl meine erste Assoziation ja sogar in die Richtung ging :-o)

  2. Gute Besserung aus dem hohen Norden. Gepuste wurde ja schon, also sende ich ein paar virtuelle Pflaster.

    Ich muss immer wieder feststellen, du bist zu gut erzogen :-), wäre mir das passiert, hätte ich schon den Polizisten aus dem Bus klargemacht, dass die erste Polizeitruppe schuld war, die zweite Zeugen waren, der Taxifahrer eh nix dafür konnte, weil er ja Taxifahrer ist, und der schwarze Bus unbedingt ne eigene Homepätsch braucht mit ganz vielen Fotos von der ganzen Truppe mit Busfahrer :-).
    Trotzdem ne Frage, „was ist eine Nationale im Akt“,.. und dann die zweite Frage die logischerweise daraus entsteht, „war es wirklich so heiß“?

  3. Ich möchte nicht wissen, auf wievielen Internetseiten nun deine von Touris geknipsten Unfallbilder auftauchen …

    Gute Besserung – auch für den mentalen Zustand der Wiener Polizei. Mit Kottan wär das nicht passiert.

  4. Danke, Haiku! Pusten aus der Ferne tut guuuut!

  5. Liebe Jou,
    Puste aus der Ferne Dein Bein an, trete dem blöden Taxifahrer gegen seins und bin froh, dass Dein Kopf und Deine Hände zum schreiben heile geblieben sind.
    Fühl Dich umarmt und gute Besserung!
    Haiku

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