Seit 8 Jahren gibt es nun die Wiener Kriminacht und alljährlich blieb mir davon nicht mehr, als ein ärgerliches “Verdammt, wieder verpasst!“. Dabei sind mir Krimis & Kaffeehaus doch die eindeutig lieberen k&k’s.
Nun, heuer hab ichs geschafft, dank der Gastlesung des Deutsch-Niederländischen Autorenduos Thomas Hoeps und Jac Toes im Cafe Schopenhauer. Die Gelegenheit, nicht nur in ihren neuesten Krimi “Höchstgebot” reinzuschnuppern, sondern auch Thomas Hoeps, der mir ja seit Jahren als virtueller Blogerkollege bekannt ist, auch einmal ganz oldschool analog kennen zu lernen.

Spannung unterm Bowler Hat
Dem Feuer … entgegen?
Seit Jahren stehe ich regelmäßig vor diesem verrosteten Schuld in der Beatrixgasse und versuche zu entziffern, worum es sich handelt. Da nutzt kein analoges Augenzusammenkneifen und auch kein digitales Fotografieren und Kontrast erhöhen – mehr, als dass es mit “Feuer” beginnt und auf “entgegen” endet, kann ich partout nicht erkennen.
Um sachdienliche Hinweise wird gebeten!
MediaOpera – ein Sinnesrausch!
Am 22. Juni 2011 um 22:00 eröffnet die weltweit erste fixe Spielstätte für Medienkunst, ein Zentrum für VisualistInnen, unter dem Fokus von Forschung, Entwicklung, Bildung und Aufklärung – die mediaOpera.
So verspricht es der Flyer. Und ja, er verspricht nicht zuviel!
Eine bessere Location hätten die Licht & FarbkünstlerInnen kaum finden können. Die Rinderhalle in Neu Marx, letzte intakte Wiener Markthalle in Eisenkonstruktion aus dem 19. Jahrhundert ist denkmalgeschützt und hat ein Ausmaß von 114 Metern Breite, 175 Metern Länge und 17 Metern Höhe. Viel Angriffsfläche für Julia Starsky, der Licht- & Farbgöttin schlechthin. Sie verwandelt die Halle in ein Lichtermeer:
sweet urban moments …
Meckie Messer mal ganz anders. 3 Groschenoper Swing im Museumsquartier…
Bilder aus der Anstalt
krank – Krankheit, oft nur der Gegensatz von Kraft, ist wie der Begriff Kraft aus einer menschlichen Empfindung hergenommen. Beide Begriffe gehören eigentlich nur der adjektivischen Welt an und sind in der substantivischen Welt unsrer Sprache unvorstellbar. Trotzdem es eine fast unübersehbare Wissenschaft gibt, die die Kräfte berechnet, und trotzdem es einen kleinen Ausschnitt aus der Zoologie gibt, nach der Einrichtung unsrer Universitäten freilich eine ganze Fakultät, die sich mit den sogenannten Krankheiten der Menschen beschäftigt: Es gibt keine Krankheiten in der Wirklichkeitswelt; es gibt nur Menschen, die sich krank fühlen, oder die nach dem Urteile von Sachverständigen krank genannt zu werden verdienen…
(Quelle: Mauthner, Fritz: Wörterbuch der Philosophie. Leipzig 21923, Band 2, S. 239)
(big) brother, where are thou?
am bahnhof – der zug fährt bald ab – eilig ein paar instant nudeln eingesogen – an sich schon ein fehler …
ein blick durch die halle – das erste auge blickt dich an – dann ein zweites – drittes …
stielaugen wohin du blickst – du zählst und zählst …
beim zweiten dutzend legst du langsam die stäbchen weg – das essen schmeckt fahl.
zur eigenen sicherheit verunsichert – verfolgt, observiert und in pixel gebannt
und langsam, langsam graut dir vor der zukunft
(und vor den instant nudeln sowieso)
Suchbild (klick ins Bild für eine scrollfreie Ansicht):
oh big brother, where are thou?
Auflösung:
(klick ins Bild für eine scrollfreie Ansicht)
35 kameras allein aus diesem blickwinkel.
feel save enough now?
Nachtrag:
Soeben entdeckt -> ORF Artikel vom 22.09.2006:
“Nun wird auch Westbahnhof überwacht
Seit Freitag wird der Westbahnhof von der Polizei mit Videokameras überwacht. Nach dem Schwedenplatz und dem Karlsplatz ist dies der dritte Platz in Wien, der mit Polizeikameras rund um die Uhr überwacht wird.Drei Kameras vor allem gegen Diebe
Konkret geht es um den Bahnhofsvorplatz und den Parkplatz an der Felberstrasse. Hier habe es zuletzt eine Häufung von Diebstählen gegeben, hieß es bei der Polizei. Drei Kameras sind hier nun als Abschreckungsmaßnahme auf Lichtmasten installiert worden.Die Aufzeichnungen werden nach 48 Stunden gelöscht. Weiter verwendet werden sie nur, wenn etwas passiert. ann wertet die Polizei die gespeicherten Daten aus.”
Hmmm … Ende 2006 warens noch 3, Anfang 2011 sinds 35 + x. Da gibts irgendwo ein Nest …
Wie(d)ner Röstung
Man röste das Böhnchen bis zu 222°C bis es mittelbraun im langsam ausgeschwitzten Kaffeeöl sanft glänzt und nenne das ganze dann Wiener Röstung. Soweit in einem Satz, was Kaffeefetischisten zu fidel’schen Redeschwallen anregen möchte. Ich wandle in Sachen schwarzes Gold jedoch lieber jenseits der Lokalkoloriten: ein italienischer Espresso muss es sein – kurz und schwarz und strong as hell – um mich wirklich glücklich zu machen.
Heute mache ich eine Ausnahme und greife doch zur Wiener Röstung. In der Naber Kaffeefiliale auf der Wiedner Hauptstraße scheint die Zeit seit 1958 still zu stehen. Mein Auge betrinkt sich an den ästhetischen Details und überredet meinen Gaumen mit Leichtigkeit die ungewohnte Milde des Aromas zu verzeihen …
Wird gerne empfohlen:
Naber Kaffee, Wiedner Hauptstrasse 40
A-1040 Wien
Guter Sommerplatz, die Zweite
Guter Sommerplatz
Prückelbrainstorm
Eigentlich hab ich ja Urlaub. Und eigentlich wollte ich ja schnurstracks wieder zurück zur Kuh, das hab ich ihr schließlich versprochen. Doch der Wetterbericht sieht für Berge gerade etwas unbeständig aus, also wird die Kuh vertröstet und der präzise ausgefeilte Urlaubsplan B hervorgekramt, der da lautet: “ein Bein vor das andere setzen und gucken, was dabei raus kommt“.
Herrgott noch mal!
Mein Verhältnis zur katholischen Kirche ist ja ein ziemlich desaströses.
Den ersten Katholenschock, an den ich mich erinnern kann, war der Moment in der Ostermesse, an dem sich die Worte des Pfarrers auf der Kanzel in meinem Kopf erstmals in farbenprächtige Bilder verwandelte:
“GOTT IST FÜR DICH GESTORBEN!
GOTT IST FÜR DICH ANS KREUZ GENAGELT WORDEN!“
Herrjehmine – derart unsanft meiner kindlichen Unschuld beraubt verwandelte ich mich nahtlos in eine sirenenartige Heulboje. Unsägliche Verzweiflung durchflutete mich, was war ich bloß für ein RIESENGROßES ARSCHLOCH, dass ich diesen armen Menschen getötet habe.
Und ich war bereit zu büßen, und wie bereit ich war!
Die Latte an Vaterunsern und Ave Marias jeden Abend auf hartem Boden kniend wurde abendlich länger, meine Augen im Kindergarten am nächsten Tag immer kleiner. Ich quälte meinen sündigen kleinen Mädchenkörper mit aller Härte.
Bis Weihnachten.
Und als dann statt des heiß ersehnten Fahrrads wieder nur der jährliche lautstarke Familienzoff unterm Christbaum lag, bekam ich eine so unbändige Wut auf Gott, dass ich ihn samt seinen undankbaren Sohn zum Teufel schickte. Das war der Moment, als ich vom Katholikentum durch die nötige Dosis Konsumsucht geheilt wurde und meinen Plan, noch vor Eintritt in die Volksschule als Märtyrerin zu sterben, aufgab.
Schloms zerstörtes Erbe
Schlom. So hieß der Urvater der Wiener Juden, der sich um 1190 in der Stadt ansiedelte und von Herzog Leopold V zum Münzmeister ernannt wurde. Einfach nur Schlom, grad so als hätte man ihm – aller Kürze zum Trotz – zur Erlangung des jüdischen Friedens auch noch das “a” geklaut. Schlom hatte die Aufgabe Silber für die Münzherstellung zu beschaffen, wurde aber bald obsolet, als der gute Leopold fette 23 Tonnen Silber als Lösegeld für Richard Löwenherz erbeutete. Um seine Arbeitslosigkeit musste sich Schlom jedoch nur kurz Gedanken machen, dafür sorgte das geklaute “a” im Namen und ein Haufen mordlustiger Kreuzfahrer, die ihn und 15 Mitglieder seines Haushaltes schon 1196 töteten.
Danke, Albert!
Urlaub daheim hat den unübertrefflichen Vorteil: Man kann sich wieder ins Nachtleben stürzen frei jeglicher spielverderberisch üblen Vorahnung eines verkaterten Arbeitstages danach.
Dank meiner lieben Freundin S., die trotz Arbeitsleben ihr Kunst- und Kulturleben mit bewundernswerter Hingabe pflegt, bekomme ich das Programm des Abends prompt serviert:






























