Wären die Alpen ein schlafender Troll, dann würde sein Haupt im Golf von Genua ruhen und Wien seine Stinkefüße kitzeln. Ja, und der Leopoldsberg, der wäre sein kleiner Zeh, den die Menschen schon seit dem 9 Jhrd. v. Chr. zum Ausflugsziel erklären. Klar, von den stolzen Bergösterreichern werden wir für unsere Hügelchen belächelt, aber das lässt die Wiener und Wienerinnen kalt. Sie nennen ihren bescheidenen Teil der Alpen trotzdem stolz “Berge”. Na, und recht haben sie, immerhin ist die Besteigung des Leopoldsberges über den Nasenweg mit einem Gefälle von bis zu 70% kein Nasenrammel für verwöhnte Städter.
Die schöne Aussicht auf das pittoreske Kahlenbergerdörfl mit seinen mittelalterlichen Bauten inmitten der Weinhänge und dem Panorama der Donaucity im Hintergrund spannen einen visuellen Bogen zwischen den bauhistorischen Extremen Wiens. Und bilden eine willkommene Ausrede für mich alle 10 Minuten stehenzubleiben, um mir klammheimlich den Winter aus der Seele zu keuchen, während mein Sohn den Weg auch locker im Dauerlauf nehmen könnte.
Aber egal, so steil es bergauf geht, so schnell ist man auch oben und mit jedem Höhenmeter wächst die Stadt zur Belohnung ein Stückchen mehr und trotz dichter Wolken taucht sogar der Schneeberg am Horizont auf.
Damit wäre der sportliche Ehrgeiz der Städterin nun aber auch wieder befriedigt – Zeit zum Einkehren! Doch was sehe ich? Die Josefinenhütte, die ich von Kindesbeinen an als vertraut schmuddelig in Erinnerung habe, hat sich einer Verjüngungskur unterzogen. Und sie steht ihr ausgesprochen gut! Statt der schmierigen karierten Plastiktischdecken sehe ich duftende Krokusse in aparten Tongeschirr, entzückende Sitzbänke in umgebauten Kleiderschränken stehen im Wald, aus einer kleinen Werkstätte mit dutzenden Laternen an der Wand tönt klassische Musik und die Dame am Grill lächelt mich nicht nur ungewohnt freundlich an, nein, sie … sächselt auch (sofern mein ungeübtes Südstaatenohr den Akzent richtig einordnet). Und justament outet sich auch noch der nette Kellner als Hannoveraner. Tatsächlich befindet sich die ehemalige Josefinenhütte, nunmehrige “Hütte am Weg”, fest in deutscher Hand. Revanche der Piefkesaga im Wienerwald? Da kommen die von da oben und zeigen uns was Wiener Gemütlichkeit heißt?? Na, da kann ich nur neidlos sagen: Ein voller Erfolg!
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Hütte am Weg |
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Mich freut dieses gelungene Beispiel heimischer Brauchtumsinvasion jedenfalls. Genau hier haben das schon ganz andere versucht. Ja, hätte sich Köprülü Fazıl Ahmet Pascha da mal ein Beispiel dran genommen, dann hätte er seine 120.000 Mannen anno dazumal mal schön auf ein halbes Dutzend reduzieren können:
Wer nun meint, ich würde mich langsam in Gefahr begeben geschichtliche Geschmacklosigkeiten zu verbreiten, dem sei gesagt, auch das hat in dieser Gegend Tradition. Davon berichtet Ödön von Horváth, der die Bestie der Wiener Seele so treffend in den Geschichten aus dem Wiener Wald zu entlarven wußte genauso, wie der Gedenkstein, der gleich hinter der Modul-Uni am benachbarten Kahlenberg unseren Weg kreuzt:
Na klar, doch – wär doch gelacht, wenn so ein schöner Frühlingsausflug nicht ohne bitteren Beigeschmack bleiben könnte. Weinheber, Blut&Boden Literat und NSDAP Mitglied der ersten Stunde, Denunziant, glühender Antisemit und zweifelhafter Empfänger des Grillparzer Preises aus Goebbels Händen. Genau der hat mir jetzt gefehlt zu meinem Frühlingsglück. Jetzt is wieder g’wiss: Uns graust vor garnix!










