Ich habe zwei Mütter. Eine ist ein liebens- wie bedauernswertes Geschöpf, eine Frau, die emotional irgendwo mit 13 hängengeblieben ist. Die mit 62 noch einem kleinen Mädchen gleicht, wenn sie eingeschnappt mitten auf der Straße stehenbleibt, die Arme verschränkt und die Unterlippe vorschiebt und so stundenlang verharrt. Ein armes Tschopperl, das sich nichts zutraut (man hat ihr zu oft gesagt, sie sei für alles zu blöd), aber davon träumt und dafür lebt, für andere da zu sein. Das funktioniert blöderweise schlecht, wenn man nie gelernt hat, auf sich selbst aufzupassen … Eine Frau mit großem Herzen und einem kindlichen Gemüt. Mit einem freundlichen Lachen und einem guten Wort für Jeden.

Wo bleibt die „Gute Projektion“?
Montag, 26. Oktober 2009Es gibt Dinge, die gehören zur Viennale, wie das Rauschen des Projektors. Eines davon sind die Serverprobleme am ersten Tag des Kartenverkaufs – gut, davon hatten wir heuer mehr als genug. Doch da wir Herrn Hurch nun offiziell „alles schimpfen dürfen„, ist schon wieder alles vergeben und vergessen (so ein Statement wünsche ich mir btw. mal vom Herrn Kanzler am Ende der Legislaturperiode…).
Ein anderes Muss ist die Viennale Zentrale im Obergeschoß der Urania. Mit Erschrecken musste ich vernehmen, dass die Zentrale heuer ins ewig stickige Badeschiff verlegt wurde. Warum denn das um alles in der Welt?!
Doch was wirklich, wirklich schlimm ist – unverzeihlich! – desaströs!! – ist die bislang völlige Abstinenz meiner Lieblings Viennale Floskel. Vor dem Film muss ein blasser junger Mann mit kargen Worten ein paar umständliche und halb fertige Sätze sagen. Das muss so sein. Die Ansage derart dilletantisch tollpatschig hinzubekommen ist auch garnicht so leicht, das braucht cineastische Kenntnisse. Da kann kein dahergelaufener Sofasurfer daherkommen, nein! Blässe, wie intellektuelles Genuschel müssen nach vielen, vielen Vorstellungen in dunklen Kinosälen riechen. Und diese Reden haben gefälligst mit einem „Gute Projektion“ zu enden. Unbedingt. Auf diese Konvention lässt sich nicht verzichten! Und was musste ich dieser Tage vernehmen? Ein läppisches „Gute Unterhaltung„. Wie bitte? Ja, wo sind wir denn hier? Beim Song Contest? Oder Wetten dass? Ist die „Gute Projektion“ aus unverständlichen Gründen in Verruf geraten?
Nein! Das Ticket Disaster verzeihe ich gern, sogar über die fehlende Urania Zentrale sehe ich grad mal so hinweg – aber auf die „Gute Projektion“ bestehe ich. Und beim nächsten „Gute Unterhaltung“ oder „Viel Spaß“ verlasse ich schreiend den Saal!

Viennale – das jährliche Ticket Desaster
Samstag, 17. Oktober 2009Es ist wieder soweit!
Die Viennale geht los. Heute um 10h beginnt der Ticketverkauf. Und pünktlich um 10:01 brechen die Server zusammen. Wie jede Jahr. Und jedes Jahr sitz ich dann hier und frag mich: Soll ich jetzt rasch zu einer der heillos überfüllten Viennale Büros hetzen und dort die Sardine machen, Stunden um Stunden? Oder doch daheim bleiben und auf das jährliche Wunder der Serverauferstehung warten …
14:13 – noch immer kein Lichtblick am Horizont…
14:35 – telefonisch vernommen, laut fluchende Menschen seien beim Verlassen des Viennale Verkaufsstandes im Generali Center gesichtet worden. Das gibt Hoffnung. Wenn die Tickets dort auch nicht verkauft werden können, kann ich ja lustig hier weiter reloaden und auf das Viennale Wunder warten.
14:39 – Detektive ausgeschickt. Wehe mir wird ein Film vor der Nase ausverkauft …
Man hat’s schon schwer als Cineastin
14:45 – Muss mir die Zeit vertreiben, die Spannung ist unerträglich. Meine heurige Filmliste kann ich mittlerweile schon auswendig:
24.10. 21:00, Metro – Saturn, ein Wiener Erotikuniversum, A 1906-1910. Halbseidene 2-7 min. Stummfilme (mit je 5 Sekunden skandalös nackter Haut)
25.10. 13:00 La nana, Sebastian Silva, Chile 2009
26.10. 11:00 Gigante, Adrián Biniez,Urugay/D/Arg. 2009
27.10. 6:30 Adventureland, Greg Mottola, USA 2008
28.10. 18:00 Blutsfreundschaft, Peter Kern, A 2009
31.10. 13:00 Villalobos, Romuald Karmakar, D 2009
1.11. 21:00 Bock for President, Houchang Allahyari, A 2009
2.11. 18:00 Terrorism Considered as One of the Fine Arts, Peter Whitehead GB/A 2009
2.11. 21:00 Tetro, F.F.Coppola USA/I/E/Arg 2009
3.11. 13:30 Below Sea Level, Gianfranco Rosi USA/I 2008
4.11. 23:00 A Serious Man, Coen Brothers, USA 2009
15:15 – Hilfe! Der Viennale Mensch bestätigt meine größte Befürchtung!
„hallo,
es besteht in der tat ein problem im ticketsystem, das nicht bloß in der überlastung des servers liegt. wann genau der online-verkauf wieder aufgenommen werden wird, kann ich ihnen leider nicht sagen. die vorverkaufsstellen sind meines wissens jedoch wieder in betrieb. generell wird es aber wohl auch dort noch eher langsam vorangehen. sie können es auch telefonisch über die A1 freeline versuchen. die dafür zuständigen techniker sind jedenfalls weiterhin bemüht, das problem in den griff zu bekommen. leider kann ich ihnen diesbezüglich aber sonst auch nicht weiterhelfen und bitte um verständis.„
15:16 – A1 Hotline dauerbesetzt. Danke für den Tipp…
15:20 – *noch eine Kanne Kaffee aufstell*
15:26 – A1 immer noch besetzt, Ticket-Server immer noch tot. Wenn ich den Hurch in die Finger krieg…
15:28 – Ha! Tonband in der A1 Leitung – ein Hoffnungsschimmer! Und tatsächlich, es meldet sich eine kompetente Stimme. ‘Nein, ich muss keine A1 Kundin sein, aber er muss mir leider sagen, dass ihr Server gecrasht ist. Die Behebung wird 1-2 Stunden dauern. Soweit er weiß funktionierts übers Internet aber auch nicht …’
Gut informiert, der Mann! Mich überkommen unkontrollierbare Kicheranfälle.
15:36 – meine Detektive haben auch schon aufgegeben. Luschen allesamt. Würde zur nächsten Viennale gern eine Doku über den Kampf um Viennale Karten sehen. Wär doch amüsant.
15:53 – immer noch und wieder nix. Soll ich doch noch zum Viennale Center fahren?
16:04 – was solls, ich fahr hin. Nach 6 Stunden kanns nun auch nicht mehr schlimmer werden…
18:32 – Nach 2,5 Stunden im Viennale Büro (Dramen spielten sich hier ab, der Psychoterror zwischen Nummernfraktion und Nicht-Nummern Fraktion ist ein spirareifes Erlebnis, der Rest ist Willkür und Zähneknirschen. Vor mir ein gemütliches rundes Männchen mit schwarzem Hut. Im Hutband steckt eine „GENERVT!“ Karte. Das Bild des Tages (Handyfoto folgt).
Dann der Anruf: Bestellung im Internet geht wieder. Ich spreche mich mit meinen beiden mittlerweile solidarisierten Leidensgenossen ab und sprinte in anschließende Café Prückl. Dort gibts WLAN. Rein ins Netz – und dann … „Ihre Anmeldung ist leider fehlgeschlagen, da unser Server zurzeit maximal ausgelastet ist. Bitte versuchen Sie es in einigen Minuten erneut. Wir bitten um Ihr Verständnis.„
Hurch! Du versuchst es wirklich mit allen Mitteln mich kleinzukriegen, was?
Aber nicht mit mir!
18:45 – zur Abwechslung gibts wieder 404er. Meine Leidensgenossen harren in der Nichtnummernfraktion in der Zentrale Front aus. Bereit zuzuschlagen, sobald die Nummernfraktion mal unaufmerksam werden sollte.
18:51 – erste Zweifel durchlöchern meinen Kampfgeist. Soll ich aufgeben? Die Viennale für heuer boykotieren? Nach beinahe 9 Stunden Kampf um die Karten wäre es nur gut und billig … mal schauen, wie ich nach der Melange darüber denke. Vielleicht richtet mich das Prückl ja doch wieder auf…
19:04 – die Melange hab ich intus. Also wieder zurück ins Viennale Büro. Noch geb ich nicht auf!
21:15 – Kaum zu glauben, ich habs tatsächlich geschafft. 11einviertel Stunden Kampf, das verdient gefeiert zu werden. Der letzte tapfere Mitstreiter und ich schleppen uns ins Prückl und stoßen auf den Sieg an. Man muss schon ziemlich bescheuert sein, sowas zu machen. Und doch … der Tag hatte seine amüsanten Momente und Beobachtungen. Verblüffend mit welch stoischer Geduld Viennale Besucher dieses dilettantische – sorry Viennale, aber mir fällt wirklich kein passenderer Ausdruck dafür ein – Ticketsystem auf sich nimmt. Aber vielleicht ist es ja auch genau das, was die Viennale so reizvoll macht. Das Unperfekte, dieser Hauch Improvisation (ok, heute hätte der Hauch ein wenig gehauchter sein können), das Fehlen von Glitzer und Glamour und blitzlichtbadenden Stars und Sternchen. Vielleicht gehört dazu auch ein dilettantisches Ticketsystem. Vielleicht versuche ich mir aber auch nur den Wahnsinn schönzureden, dem ich mich heute hingegeben hab …

Schubhäftling für einen Abend
Donnerstag, 15. Oktober 2009Der Wiener Justizpalast stand bislang in meinem Leben zwei mal im Mittelpunkt von Berichten, die mich tief bewegt haben. Bis vorletzte Woche war mir dabei – ein schändliches Geständnis! – noch nicht einmal bewußt, wo sich dieses Gebäude in Wien befindet. Aber dazu später …

Plopp, da isse wieder!
Donnerstag, 15. Oktober 2009Lang ersehnt, endlich wahr: es buchstäbelt wieder seltsam!













